Mehr oder weniger

Die Berichterstattung über Bischof Reinhard Marx, der von Trier nach München gewechselt ist, hat viele TV-Leser interessiert. Die Reaktionen reichen von „zu viel“ bis „zu wenig“, von „zu kritisch“ bis zum Vorwurf der „Hofberichterstattung“. Einige Beispiele:

Franziska Meyer-Heck aus Gerolstein schreibt: Der TV bietet dem Laien sehr aufschlussreiches Hintergrundwissen. Ist bekannt, wie die Ernennung von Bischof Marx erfolgte? War es eine Berufung oder hat er sich beworben? Dürfen Sie darüber berichten?

Liebe Frau Meyer-Heck,
spannende Fragen! Anders als bei der Wahl des Bischofs von Trier trifft in München-Freising der Papst allein die Entscheidung. Mein Kollege Rolf Seydewitz, Spezialist für Kirchenthemen, fand heraus: Alle bayerischen Bistümer haben Vorschläge gemacht. Diese Listen gingen an Papst Benedikt XVI., der den Kandidaten auswählte und ernannte. Auszuschließen ist, dass Reinhard Marx sich selbst vorgeschlagen hat. Grundsätzlich gilt: Wenn die katholische Kirche ihre Spitzenämter neu besetzt, bleibt vieles geheimnisumwittert. Wir versuchen, die Hintergründe zu erhellen und so viel Information wie möglich zu liefern – natürlich unzensiert.

Barbara Gemmeke aus Trier beklagt, dass kritische Meinungen zu Bischof Marx auf der Leserbrief-Seite zu prominent platziert worden sind. Sie fragt: Macht der TV sich nicht zum Komplizen von Menschen, die sich in ausgesprochen aggressiver Weise gegen den Bischof äußern? Kann man etwas Gutes erreichen, indem man öffentlich-brieflich Ohrfeigen austeilt?

Liebe Frau Gemmeke,
besten Dank für Ihre Fragen. Leserbriefe sind Meinungsbeiträge. Mal wohlwollend, mal kritisch. Manche Themen bewegen viele Menschen (erkennbar an der hohen Zahl der Zuschriften), andere sind eher speziell. Für die Sortierung auf der Seite spielt es keine Rolle, ob die Beiträge Kritik oder Zustimmung enthalten. Wie in der Auslage eines Schaufensters werden die spannendsten Leserbriefe an der „schönsten“ Stelle präsentiert. Dies ist die Aufgabe der Redaktion. Themen und Tendenzen bestimmen die Leser hingegen selbst.

Anne G. aus Gerolstein kritisiert die „penetrante Hofberichterstattung in Sachen Marx. Es gibt auch noch andere und wichtigere Themen, über zu schreiben sich lohnt.“

Liebe Frau G.,
wir achten streng darauf, dass es nicht zu einer „Hofberichterstattung“ kommt. Das hieße nämlich, nur offizielle Verlautbarungen „vom Hofe“ zu drucken oder lobhudelnde Meldungen, die „dem Hofe“ genehm sind. Genau so aber ist es nicht: Wir bringen Nachrichten, Hintergründe und Kommentare, wenn es journalistisch geboten erscheint, und nicht, wenn der Bischof (oder wer auch immer) das wünscht. Aufgrund des Neuigkeitswertes und des allgemein großen Interesses war das Thema „Marx“ zuletzt oft im Blatt. Das mag „gefühlt“ übermächtig wirken, macht aber nur einen kleinen Teil der Berichterstattung aus. Andere Themen sind nicht zu kurz gekommen.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Der Er-bonkel aus Pie-sport

Hartmut Beth aus Kröv schreibt: Die Rechtschreibreform finde ich zum Teil gut. Stängel oder Gämse und meinetwegen auch Schifffahrt mit drei f. Aber was soll die Trennung he-raus und hi-naus, oder aber hi-nzu oder he-rbei? Heißt es jetzt hi und he oder hin und her? Da sage ich nur: Ballhorn lässt grüßen!

Lieber Herr Beth,

vielen Dank für Ihren Brief. Ich habe ihn mit Interesse gelesen und kann Ihren Eindruck nur bestätigen: Die mehrmals überarbeitete Rechtschreibreform hat nicht nur viel Verwirrung gestiftet, sondern auch „Der Er-bonkel aus Pie-sport“ weiterlesen

Auf einer Glatze Locken drehen

Egon Kappes aus Zeltingen-Rachtig schreibt zur Ausgabe vom 16. Januar: Die „Kultur“ sollte heute besser den Titel „deutsche Unkultur“ tragen. Wollten Sie mit dieser Seite, die ich sonst sehr schätze, provozieren und Auswüchse deutscher Unkultur hoffähig machen? Es ist schon schlimm genug, dass das chaotische RTL-Camp immer noch seine Quoten bringt. Warum helfen Sie dabei mit?

Aber auch die Fällung der Buche in Dresden ist ja mal wieder typisch. Da wird ein Jahrhundert-Baum bei der „Auf einer Glatze Locken drehen“ weiterlesen

Kein Bakschisch

Herr M. aus Irsch (Kreis Trier-Saarburg) schreibt zur Titelseite vom 4. Januar: Gezeigt wird ein Foto mit der Überschrift „Kenia – Ein Land in Aufruhr“. Der Text zum Foto suggeriert, dass ein Mann sich durch einen Sprung vor dem Feuer rettet. Meiner Meinung nach ist offensichtlich, dass es sich hier um ein gestelltes Foto oder, noch schlimmer, um eine Foto-Montage handelt. Es hat nichts mit verantwortlichem Journalismus zu tun, wenn man in Krisengebieten durch Zahlung von Bakschisch reißerische Aufnahmen stellt. Noch schlimmer ist es, dies mit Foto-Montagen zu tun und den Leser zu betrügen.

Lieber Herr M.,

wir haben Ihren Hinweis intensiv geprüft und mit den Kollegen der deutschen Presse-Agentur (dpa) erörtert, vor allem Ihren Eindruck, das von dpa aus Nairobi gelieferte Bild sei montiert oder gestellt. Alexander „Kein Bakschisch“ weiterlesen

In der Region, für die Region

Albert Borrelbach aus Koxhausen fragt: Warum wird der TV nicht in Nachrichten oder im Pressespiegel zitiert und erhält somit eine überörtliche Visitenkarte?

Lieber Herr Borrelbach,

vielen Dank für Ihre Frage. Es gibt in Deutschland mehr als 300 Tageszeitungen, dazu hunderte Zeitschriften, Magazine, Fernseh- und Radiosender sowie immer mehr Online-Anbieter. Sie werden unterschiedlich wahrgenommen. Auf der Bundes-Bühne dominieren überregionale Medien, auf den lokalen Schauplätzen die regionalen „Platzhirsche“. Der Trierische Volksfreund setzt zwischen Eifel und Hunsrück, „In der Region, für die Region“ weiterlesen

Konfuzius sagt

Herr K. aus Trier ärgert sich über englische Wörter in Zeitungsartikeln, etwa den Begriff „Indoor“ im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Kartbahn in Bitburg. Zumindest sollten Fremdwörter übersetzt und erklärt werden!
Lieber Herr K.,
die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden. Das hat der chinesische Meisterdenker Konfuzius vor rund zweieinhalb Jahrtausenden gesagt. Weise Worte, zeitlos gültig. Und für Journalisten im Zeitalter der Massenmedien ja wohl eine Selbstverständlichkeit. Von wegen!
„Mein Leben ist eine Giving-Story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das Future- „Konfuzius sagt“ weiterlesen

Wie es euch gefällt

Paul Dahm aus Wolsfeld schreibt: Nachträglich, aber nicht weniger herzlich möchte ich zum neuen Erscheinungsbild des Trierischen Volksfreunds gratulieren, es gefällt mir sehr gut.

Ebenfalls herzlichen Glückwunsch zu der Sonderausgabe „Amicus Treverensis“. Als besonders wohltuend habe ich es empfunden, dass es im Jahr 317 bereits ein Korrekturprogramm gab, ich konnte auf Anhieb keinen Rechtschreibfehler feststellen.

Im Gegensatz dazu wimmelt es im TV manchmal nur so von Rechtschreibfehlern. Es war mir bisher zu aufwendig, ähnlich wie in der Schule die Fehler rot anzustreichen und zu bewerten, es käme ein „ungenügend“ heraus. In der heutigen Zeit mit den technischen Möglichkeiten müsste es doch ein Leichtes „Wie es euch gefällt“ weiterlesen

Denglisch, Engleutsch, Germeng

Herbert Gores aus Igel schreibt: Der Widerstand gegen die Anglizismen wächst. Zum Glück hält sich der TV mit diesen Wörtern im Lokalteil erstaunlich zurück. Aber welcher Leser über 60 versteht schon das Wort „backstage“? Dass es auch anders geht, sieht man prompt in der gleichen Ausgabe vom 5. April: „ein Blick hinter die Kulissen „. P.S.: Das verbesserte Layout gefällt mir gut!

Sehr geehrter Herr Gores,
vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie nie zuvor, heißt es allenthalben. „Rettet dem Deutsch“, fordert ironisch der Sprachpfleger Bastian Sick. „Denglisch, Engleutsch, Germeng“ weiterlesen