Alphamann sucht Rassefrau …

In der schönen Osterzeit / wenn die frommen Bäckersleut‘, / viele süße Zuckersachen / backen und zurechtemachen/ wünschten Max und Moritz auch / sich so etwas zum Gebrauch …

Immer wieder gut: Wilhelm Busch, der Dichter und Zeichner, ein Meister des (tiefsinnigen) Humors. Mag ich. Worüber lachen Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Haben Sie heute schon gelacht? Gelächelt zumindest? Ein ganz klein wenig nur? Na?

Lachen macht glücklich. Lachen macht sexy. Lachen ist die beste Medizin. Sagt Benjamin Blümchen, der sprechende Elefant. Und die Wissenschaft bestätigt es, die Zunft der Gelotologen (Lach-Forscher). Mit einem kurzen Ha-ha ist es nicht getan. Erst intensives, wiederholtes Lachen wirkt. Je länger und je öfter, desto besser.

Der Duden definiert trocken: „Humor: die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.“

Wenn mir der Schalk im Nacken sitzt, wenn ich frischen Lach-Stoff brauche, lese ich ab und zu … Kleinanzeigen: Kennenlernen, Freundschaft, Heiraten, Partnergedöns. Wer mit wem anbandeln will, und wie, und warum. Nicht dieses neumodische Zeugs, Parshippen, Tindern, Ghosting oder womit Krethi und Plethi sich denglisch-digital auf Dating-Portalen verlustieren. Sondern, natürlich, die Königsklasse. Zu finden etwa in aufgeklärten Intellektuellen-Blättern wie der Zeit:

„Ein Alphamann der Superlative, 56 Jahre – 186 cm, ungemein attraktiv. Sehr erfolgreich und vermögend, er liebt schnelle Autos, Wellness, Reisen. Seine Domizile erstrecken sich über die ganze Welt. Ob Hamburg, Kitzbühel oder Florida, er ist überall zu Hause. Er weiß was er will, kann sich durchsetzen u. hat das Sagen. Zu seiner Frau wird er zärtlich u. großzügig sein. […] Nutzen Sie diese einmalige Chance. Männer dieser Art gibt es nicht wie Sand am Meer.“

Ernsthaft?! Alphamann, ha! Superlativ, he! Weltformat, ho!

Weil ich Feminist bin, beömmele ich mich – selbstverständlich geschlechtergerecht – auch über schmachtende „Rassefrauen“: alle mit „Model-Maßen“, „von 18 bis 88“, „fantastisch aussehend“, „umwerfend schön“, „naturblond“, „bezaubernd“, „intelligent“, „charmant“, „charismatisch“, „finanziell unabhängig“, „aus bestem Hause“, „aus alter Unternehmer-Dynastie“, „aus uraltem Adel“. Hallelujah!

Frohe Ostern, bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur