Was für ein Affentheater!

Merkwürdig, wie schnell ein Wort, kaum ausgesprochen, zum Markenzeichen, zum Spitznamen eines Menschen wird. Plötzlich klebt es an dir wie Kaugummi, du wirst es nicht mehr los.

In der Politik gibt es hübsche Beispiele, mal witzig, mal geistreich, mal wenig schmeichelhaft. Kleine Kanzlerkunde: „Mutti“ Merkel (früher: „das Mädchen“, international: „Madame No“), „Genosse der Bosse“ und „Brioni-Kanzler“ Schröder, „Birne“ Kohl (auch: „Schwarzer Riese“, später: „Bimbes-Kanzler“), „Schmidt-Schnauze“, Willy „Wolke“ Brandt (wegen seines Hangs zu Visionen), „Häuptling Silberzunge“ (der beredte Kurt-Georg Kiesinger), „Vater des Wirtschaftswunders“ (Ludwig Erhard), „der Alte“ (Konrad Adenauer).

Einer, der im Herbst gern Kanzler werden möchte, schleppt altmodisches Kriegsgerät im Spitznamen-Gepäck mit sich herum: Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der vor einem Jahr verkündete, dass er das Coronavirus mit der Bazooka wegballern will – mit Wumms!

Eine starke Metapher; der SPD-Mann hat sie gewählt, um sein Image aufzupolieren: Seht her, ich bin nicht der unterkühlte „Scholzomat“, für den ihr mich haltet, sondern ein zupackender Krisenmanager!

Die Bazooka also: ein tragbares Gerät zum Abschießen von Raketen kleinen Kalibers, eine rückstoßfreie Panzerabwehrwaffe, während des Zweiten Weltkriegs entwickelt von US-Streitkräften, die das Teil so tauften, weil es dem posaunenartigen Musikinstrument des US-Komikers Bob Burns ähnelte.

Ein simples Rohr, benannt nach einem Spaßvogel? Hmm. Die Bazooka-Metapher signalisiert „durchschlagende Wirkung“, heißt es. Der Fußballtrainer Jürgen Klopp hat sie verwendet, der ehemalige Euro-Manager Draghi und andere.

Hängt irgendwie schief, dieses Bild. Und wenn Olaf „Bazooka“ Scholz darauf vertraut haben sollte, dass die Waffe rückstoßfrei ist, irrte er. Konkurrenten und Kommentatoren lästern: Steinschleuder ohne Stein, Wasserpistole, Ladehemmung, keine Munition, Rohrkrepierer, Platzpatronen, kein Wumms, nur ein Wümmschen, aus Pappmaché, piff, paff!

Der Ober-Grüne Robert Habeck, auch er ein Kandidat fürs Kanzleramt, wies neulich in einer Talkshow darauf hin, dass die Bazooka ja eigentlich ein kümmerliches Ding sei. Und dass er selbst sich nie wie Olaf Scholz hinstellen würde, um Wumms-Reden zu halten – wie ein Orang-Utan, der sich auf die Brust trommelt, sagte Habeck. Moment mal, noch so eine schiefe Metapher. Orang-Utans trommeln nicht, sie brüllen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die mit der Ich-bin-der-Größte-Geste sind die Gorillas …

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur