Tschüss, Hipster! Willkommen, Woke!

Na, so was! Der Bart ist ab, die Hipster verkrümeln sich. Ende einer Epochenfigur. Habe ich in der Zeit gelesen, und die muss es ja wissen.

Tschüss, Hipster! Macht es gut, ihr Männer mit Nerd-Brille im Holzfällerhemd, die sich mit Craft Beer auskennen, die sich bemühen, anders zu sein, schneller zu sein als die Schlafmützen, Retro und Avantgarde zugleich, ihre Bibel: der Manufactum-Katalog – selbst die Axt muss handgeschmiedet sein. Macht es gut, ihr Frauen mit Pony und Wollmütze, die in High Waist Jeans und Oversize-Sonnenbrille zum Joga-Kurs radeln – und ein bisschen aussehen, als kämen sie gerade frisch vom Koksen aus der Warhol-Factory. Tschüss, Hipster!

Jetzt kommt die Generation Woke, meint Zeit-Autor Ijoma Mangold. Junge Leute, „erwacht, aufgewacht“ (englisch: woke) und engagiert: gegen Diskriminierung und Rassismus, gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, gegen die Zerstörung der Umwelt und des Klimas; sie sehen sich als People of Color, als Trans*Person, als queer – und zwar spaßfrei, ironiefrei. Die Lage ist ernst, Schluss mit lustig.

Okay, stopfe ich meine Holzfällerhemden halt in den Altkleider-Container und gebe den Manufactum-Katalog in die Altpapiertonne. War eh nur Tarnung. Ich bin Generation Boomer, das Etikett werde ich nicht los, weil: geboren in den Sechzigern, angeblich privilegiert, weil: ein Mann, angeblich unsagbar mächtig, weil: ein Mann. Das perfekte Feindbild. Stimmt, ich habe das Privileg und die Macht, freche Kolumnen zu schreiben, ha!

Wacht auf, Verdammte dieser Erde! Ich finde es anstrengend, dass  sich ständig irgendwer daran macht, Menschen in immer neue Schubladen zu stecken. Die Generation Woke also. Nicht lange her, da war die Rede von der Generation Greta. Von der Generation Fridays-for-Future. Von der Generation Angst. Von der Generation Krise. Von der Generation What. Davor waren es: Generation X. Generation Y. Generation Z (auch verspottet als Generation Schneeflocke). Nicht zu vergessen: die Yuppies (Young Urban Professionals = karrieregeile Aufsteiger), die Dinks (Double Income, No Kids = doppeltes Einkommen, keine Kinder) und immer noch die Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability = Leute, die ihren Lebensstil auf Gesundheit und Nachhaltigkeit ausrichten), dazu die Skippies und die Woopies …

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur