Freiheit, Gleichheit und *lichkeit

Ach, diese Aufregung über das Sternchen, über gender­gerechte Sprache und so! Finde ich gut! Echt jetzt? Klar, weil: Sprache bestimmt das Bewusstsein, Sprache formt das Denken, aus dem Bewusstsein, aus dem Denken, entsteht Handeln, entsteht Tun, entsteht unsere Vorstellung von Welt und Raum und Zeit, und wenn wir vorankommen wollen mit der Gleichberechtigung, muss das rein in die Köpfe.

Gut also, dass es immer mehr Versuche gibt, die deutsche Sprache politisch korrekt zu polieren. Und dass es Texte gibt, in denen es vor Gendersternchen wimmelt, etwa der neulich im Magazin der Süddeutschen Zeitung über Hengameh Yaghoobifarah, die* „junge, queere, muslimisch sozialisierte und sich als non-binär identifizierende Journalist*in“, die* im vergangenen Jahr mit einer Kolumne unter der Überschrift „All cops are berufsunfähig“ für einiges Aufsehen gesorgt hat. „Sie* sagt oft ‚nice’ und ‚cute’, redet ziemlich leise, lacht dafür aber laut und viel. Sie* wirkt selbstbewusst und zugleich schüchtern. […] Hat sie* etwas gesagt, macht sie* einen Punkt und hält mit gerecktem Kinn die Stille aus, die sich zwischen ihr* und ihrem* Gegenüber manchmal ausbreitet.“ Erklärung der Redaktion: „Weil es im Deutschen bisher kein geschlechtsneutrales Pronomen gibt, signalisiert dies der Stern hinter sie* und ihr*.“

Puh! Ich habe die * in dem langen, langen Text nicht gezählt; es sind viele, und es ist anstrengend, dranzubleiben, es macht keinen Spaß, das zu lesen.

Aber wat mutt, dat mutt, sage ich als Kämpfer für Freiheit, Gleichheit und Brüder…, ähm, Schwester…, Tschuldigung: *lichkeit.

Als Kämpfer für Klarheit und Wahrheit in der Kommunikation sage ich dagegen: Oh je, wenn wir das durchziehen, wird es immer schwieriger, Texte zu verstehen.

Einigkeit und Recht und Freiheit, für das deutsche Vater…, ähm, Mutter…, Tschuldigung: *land. Danach lasst uns alle streben, brüder…, ähm, schwester…, Tschuldigung: *lich mit Herz und Hand …

Das holpert, die Nationalhymne funzt nicht mit Sternchen. Genderhinweis: Aus Gründen der besseren Singbarkeit wird auf eine geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform beinhaltet keine Wertung. Hmm.

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur