Im Jurassic Park der Sprache

Maskulinum, generisches Maskulinum. Das klingt wie der Name eines Dinosauriers. Archaeopteryx, Diplodocus, Triceratops und dergleichen. Ausgestorben, verblichen, längst in die ewigen Jagdgründe des Jurassic Parks eingegangen. Dahin gehört, meinen manche, auch das generische Maskulinum, ein Dino der Sprache. Gleich mehr.

Zunächst eine Zuschrift von Heinz Sieburg aus Igel zum Thema:

Mercedes-Sprache Deutsch?

Da ist den männlichen (!) Bossen der deutschen Autoindustrie ja wirklich mal wieder ein Coup gelungen. Statt endlich Öko-Autos und Lastenfahrräder zu bauen, überschwemmen sie unsere schöne Sprache mit perfider Schleichwerbung. In immer mehr Texten finden sich die Mercedes-Sterne. Ich möchte wissen, wie viel Geld für diese hinterfotzige Imagekampagne verpulvert wird. Der Gipfel der Frechheit ist, dass die listig verfremdeten Sternchen auch noch als gendergerecht ausgegeben werden. Das ist pure Heuchelei! Seit wann sind Premium-Automarken gendergerecht?

Jetzt sollen ja per Gesetz endlich mehr Quotenfrauen in die Vorstände. Gut so! Man kann nur hoffen, dass die dem Irrsinn ein Ende machen.

Wie beschränkt die (noch männlich geprägte) Autoindustrie im Kern ist, erkennt man an dem egoistischen und selbstverliebten *innen, welches den Mercedes-Sternchen jeweils folgt: *innen, *innen, *innen. Selbst in den Abendnachrichten hört man jetzt mehr und mehr *innen, *innen, *innen. Statt ständig Nabelschau zu betreiben, sollte Mann lieber mal über den Tellerrand hinaussehen nach *außen, *außen, *außen oder *oben oder *vorwärts? Aber das ist den Herren in den Chefetagen wohl zu öko.

So habe ich den Mercedes-Stern noch nie gesehen, lieber Herr Sieburg, eine bemerkenswerte Interpretation. Das Gendersternchen hat freilich mehr Zacken, und es strahlt immer intensiver, wird zum Massenphänomen. Aktuelles Beispiel: das generische Maskulinum. Etwa zwölftausend Wörter der deutschen Sprache bezeichnen Berufe oder Personen, und die waren bislang „männlich“, meinten aber „weiblich“ mit: Bäcker, Lehrer, Schüler, Arzt … Die Redaktion des Duden arbeitet das nun um (zunächst nur online): Künftig ist der Bäcker stets ein Mann, die Bäckerin bekommt einen eigenen Eintrag ins Wörterbuch.

Ich gehe zum Bäcker. Hmm, bitte nicht, wenn es sich um den Laden einer Bäckerin handelt. So etwas mag die Genderpolizei nicht. Wie dann? Ich gehe zum Backenden? Zur Bäcker*in? Fortsetzung folgt.

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur