Houm, swi:t Houm, total gechillt

Um die Sprache geht es, um die deutsche Sprache – rettet sie, rettet sie! Das rufen, immer wieder einmal, Leserinnen und Leser, die Verfall, Verhunzung, Verdenglischung beobachten. Beispielhaft die Zuschrift von Hans-Josef Koltes aus Neuhütten im Hochwald. Er schreibt über das grassierende „Home“-Dingsbums:

Corona scheint mir den weiteren Niedergang der deutschen Sprache beschleunigt zu haben. Neben dem vielleicht wohl konkurrenzlos internationalen Begriff „Lockdown“ hat sich in unsere Alltagssprache, erfunden und gefördert von den Medien, das „Home-Office“ (Heimbüro) und das „Home-Schooling“ (Heimschule) eingenistet. „Home“, sprich: „Houm“. Schlage vor, den diesbezüglichen Sprachschatz zu erweitern auf „Home-Staying“, „Home-Eating“ und „Home-Sleeping“ (kurz und gut: „Home-Living“). Damit könnte das volle Corona-Leben sprachlich auf der Höhe der Zeit abgebildet werden. Jede(r) meint auf einmal, sich auf Englisch ausdrücken zu müssen (zu können?). Dabei ist das Deutsche (neben dem vom Verfasser subjektiv als schönste Sprache der Welt empfundenen Italienisch) die am höchsten entwickelte, reichhaltigste und differenzierteste verbale Kommunikationsform auf dem Globus. Verfremdet sie nur weiter, unsere deutsche Sprache, ihr Kids and Adults, ihr Volk der Dichter und Denker!

Schön, dass Sie es mit Witz und Ironie nehmen, lieber Herr Koltes. Die Welt ändert sich, unaufhaltsam, mit ihr die Kommunikation – und die Sprache, mit der wir die Welt beschreiben. In ruhigen Zeiten fällt das weniger auf. Gerade überschlagen sich die Ereignisse: Corona, Digitalisierung, Klima-Krise. In der vergangenen Dekade haben wir so viele Daten angehäuft wie in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor. Für das neue Wissen brauchen wir neue Wörter. Und die stammen oft aus der Lingua franca unserer Zeit: Englisch.

Der Anteil „echter“ Fremdwörter in den deutschen Zeitungen liegt unter zehn Prozent, sagen Linguisten. Tendenz: stabil. Gefühlt wird es mehr.

Dass sich der Eindruck aufdrängt, Deutsch verkomme zur Pidgin-Sprache, liegt an den Nutzern, an allen. Zufällig habe ich dieser Tage im Vorbeispazieren ein Gespräch zwischen zwei Jungs mitbekommen, etwa zehn Jahre alt: „Ey, Alter, hast du das von dem Mädchen gehört?“ – „Meinst du die Bitch, Alter?“ – „Ja, ey, die hat voll abgelost.“ – „Aber so was von, Alter, ey!“

Bleiben Sie gechillt!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur