Und jetzt: Gute Nachrichten

Raketen? Nö. Böller? Nö. Knallfrösche? Nö. Kein Feuerwerk, nirgends. Keine Rituale, mit denen wir versuchen, die Dämonen zu vertreiben. Nix. Ein merkwürdiger Jahreswechsel. Wir sind also drin: Zwanzigeinundzwanzig. Alles auf Anfang! Das wird schon! Wir machen das Beste daraus!

Nun sagen manche Leute: Och je, ich sehe schwarz, schlimmer geht immer.

Ich sage: Wie das denn? Angeblich war doch Zwanzigzwanzig das allerschlimmste aller schlimmen Jahre aller Zeiten. Und der Superlativ, liebe Pessimisten, lässt sich nicht steigern.

Nun sagen manche Leute: Früher war alles besser. Früher war das Gras grüner, früher war die Luft reiner, früher war die Welt einfach schöner.

Ich sage: Stimmt nicht. Früher war nicht alles besser – es war anders.

Der Blick in den Rückspiegel verzerrt, vieles erscheint sentimental-verklärt. Erst recht, wenn es sich um subjektive Momentaufnahmen handelt.

In ihrer Rede zum 40. Thronjubiläum sprach Queen Elizabeth 1992 von einem „annus horribilis“ (lateinisch: schreckliches Jahr). Ein Feuer auf Schloss Windsor, die Trennung ihres Sohns Andrew von Sarah Ferguson, die Scheidung ihrer Tochter Anne von Mark Phillips, die Ehekrise von Charles und Diana, peinliche Nacktfotos, peinliche Tonbänder – so what?! Für die Queen schrecklich, für den Rest der Menschheit unbedeutend.

Da wären ganz andere Horrorgeschichten zu erzählen: vom Jahr 536 zum Beispiel, als sich die Asche eines isländischen Vulkans wie ein Schleier um die Erde legt. „Die Sonne, ohne Strahlkraft, leuchtete das ganze Jahr hindurch nur wie der Mond und machte den Eindruck, als ob sie fast ganz verfinstert sei“, berichtet der byzantinische Geschichtsschreiber Prokopius. Temperatursturz, Schnee im Sommer, Ernteausfälle, Hungersnöte. Oder 1347: Die Pest wütet in Europa. Oder 1918: Die Spanische Grippe rafft Millionen Menschen dahin. Oder, oder, oder.

Lasst uns statt der schlechten Nachrichten mal die guten feiern!

Was haben die Menschen 536, 1347 oder 1918 geglaubt, was haben sie gehofft? Dass es Rettung aus der Krise gibt? Und wir? Wir wissen, dass und wie wir die Corona-Pandemie besiegen werden. Wir wissen, was zu tun ist. Zwanzigeinundzwanzig – vielleicht ein „annus mirabilis“ (lateinisch: Wunderjahr).

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur