So wichtig wie Luft zum Atmen

Tja. Manche meinen, sie müssten anderen vorschreiben, was sie zu denken, zu tun, zu meinen haben und was nicht. Und was Zeitungen zu veröffentlichen haben und was nicht. Solche Meinungsdiktatur ist Gift für die Gesellschaft, Gift für die Demokratie. Weil die Freiheit der (ver-)öffentlich(t)en Meinung so wichtig ist wie die Luft, die wir atmen. – Drei aktuelle Beispiele aus meiner Post:

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreibt Herr S.: „Ihr werdet alle gerichtet und müsst euch für eure Taten verantworten, spätestens vor Gott. Wer solche Lügenmärchen verbreitet, den werde ich anprangern. Das wird Konsequenzen haben!“

Zur Berichterstattung über die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche schreibt Herr H.: „Schluss mit Ihrem Schmier-, Hetz- und Käseblatt! Sehr zum Leidwesen unseres Bischofs werden jetzt schon wieder die wenigen vorhandenen Priester attackiert. Schämen Sie sich nicht, auf Jahrzehnte und sogar auf Bischof Stein zurückzugreifen? […] Die Zeit ist mir zu kostbar, mich mit Ihrem Drecksblatt zu beschäftigen. […] Nur weiter so, bis euch die Mariensäule in Trier eines Tages auf den Kopf heruntergefallen kommt!“

Zur Berichterstattung über die Rückkehr des Wolfs in die Region eine anonyme Morddrohung, die Leser ABC erhalten hat: „Noch einmal ein Leserbrief von dir im Volksfreund und es knallt. Bin passionierter Jäger oberhalb der Mosel. Der erste Wolf, der mir vor die Flinte läuft, wird abgeschossen. Eine Kugel aus einem russischen Scharfschützengewehr, das ich nach der Wende aus DDR-Beständen gekauft habe […], ist für dich reserviert.“ Beigefügt: die Abbildung eines Gewehrs und einer Patrone („Diese Kugel Kaliber 8×53 mm ist für dich reserviert“). Die Polizei ermittelt.

Drei Einschüchterungsversuche, einer fieser als der andere – gegen Journalisten, die ihren Job machen, die recherchieren und berichten, und gegen Bürger, die ihre Meinung sagen.

Noch Fragen? Beantworte ich nach meinem Urlaub in vier Wochen plus x. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit, bleiben Sie munter!

Mit nachdenklichen Grüßen

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur