Sim sa la bim, bam ba, sa la du, sa la dim

Ist das ein Wort, das noch gebraucht wird – oder kann das weg? Die Sprach-Gurus des Duden-Verlags grübeln. Hmm.

Jägersmann zum Beispiel: kann weg, ist veraltet, wird nicht mehr gebraucht. So wie Bäckerjunge, Kammerjungfer, Lehrmädchen, Pfarrherr, Vorführdame. Weg, weg, weg, weg, weg.

In der neuen Ausgabe des Dudens stehen 148 000 Wörter, darunter dreitausend, die es zuvor nicht gab. Ein paar Hundert sind ausgemustert worden. Was bleibt, was verschwindet?

 „Wir analysieren den Sprachgebrauch der letzten Jahre mithilfe unseres Dudenkorpus. Das ist eine riesige elektronische Textsammlung, die derzeit rund 5,6 Milliarden Wortformen umfasst“, sagt Dr. Kathrin Kunkel-Razum, die Leiterin der Duden-Redaktion. „Diese Sammlung können wir nach verschiedenen Kriterien auswerten, unter anderem danach, wann welche Wörter neu in das Korpus gekommen sind. Wenn man dann noch die Faktoren Häufigkeit, Breite und Dauer des Auftretens eines Wortes mit einbezieht, hat man schon eine sehr gute Grundlage für die Auswahl der Kandidaten.“

Ein Computer-Programm, künstliche Intelligenz, trifft also die Vorauswahl. Der Jägersmann? Besungen vom Romantiker Joseph von Eichendorff und vom Humoristen Wilhelm Busch, vom Struwwelpeter-Erfinder Heinrich Hoffmann („Es zog der wilde Jägersmann / sein grasgrün neues Röcklein an; / nahm Ranzen, Pulverhorn und Flint / und lief hinaus ins Feld geschwind“) und  vom Heide-Dichter Hermann Löns („Jedoch die jungen Mägdelein, / Die liebt der Jägersmann“), verewigt in einem Kinderlied: „Auf einem Baum ein Kuckuck, – / Sim sa la bim, bam ba, sa la du, sa la dim / Auf einem Baum ein Kuckuck saß. / Da kam ein junger Jäger, – / Sim sa la bim, bam ba, sa la du, sa la dim / Da kam ein junger Jägersmann / Der schoss den armen Kuckuck, – / Sim sa la bim, bam ba, sa la du, sa la dim / Der schoss den armen Kuckuck tot.“

Jetzt ist’s vorbei mit Sim sa la bim, der Jägersmann kommt im Alltagssprech kaum noch vor, er hat sein Pulver verschossen. Und tschüss!

Es sei, sagt die Duden-Frau Kunkel-Razum, „wie mit alten Freundschaften: Nicht alle halten, nicht alle Wörter werden noch benutzt, Zeit, sich von ihnen zu verabschieden. Was ja nicht heißt, dass man nicht noch oft und gern an sie denkt, schließlich haben sie einen lange begleitet.“

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur