Danke, Facebook! Danke, Twitter!

Die „ganze Wahrheit“ über das Coronavirus findet sich im Internet. All das, was Journalisten verschweigen, vertuschen, verheimlichen. All das, was die „Mainstream-Medien“ zurückhalten, auf Anweisung von denen „da oben“, für einen Judaslohn. All das, was wirklich hilft, die Seuche zu besiegen, zum Beispiel Salz, Sesamöl und Knoblauch …

Halt! Stopp! Fake-News! Das Netz ist voll davon. Gerüchte, Halbwahrheiten, Mythen, Verschwörungstheorien, Spekulationen, Täuschungen, angebliches Insider-Wissen. Mal als Satire inszeniert, mal in der Absicht, Stimmung zu machen, Hass zu säen, die öffentliche Meinung zu manipulieren, mal einfach nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Millionen und Abermillionen Menschen, ohnehin verunsichert, weil die Pandemie so viele Fragen aufwirft, auf die es (noch) keine Antworten gibt, fallen darauf herein, sie werden ängstlich, hysterisch, wütend.

Gegen die Corona-„Infodemie“ – so nennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Flut an Fehlinformationen und Falschmeldungen auf Social Media, Webseiten und in Messengerdiensten – hilft kein Impfstoff. Sondern Vernunft. Und Verstand. Und Aufklärung.

Ein Beispiel: Anfang Mai appellierten internationale Mediziner in einem offenen Brief an Tech-Konzerne wie Facebook oder Twitter, konsequent gegen Desinformation vorzugehen. Und siehe da: Es tut sich etwas. Facebook hat nach eigenen Angaben inzwischen hundert Millionen zweifelhafte Inhalte zum Coronavirus mit Warnhinweisen gekennzeichnet und mehr als sieben Millionen Beiträge vollständig gelöscht, die nach Einschätzung der Faktenchecker die Gesundheit von Menschen gefährden könnten. Die Botschaft: Nein, liebe Leute, Salz, Sesamöl und Knoblauch taugen nicht, um das Virus zu bekämpfen, und Facebook distanziert sich von solchem Unfug.

Ganz ähnlich Twitter. Der vom US-Präsidenten bevorzugte Kommunikationskanal hat neulich Tweets gesperrt, in denen das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin als wirksames Mittel zur Heilung von Covid-19 angepriesen worden war – eine falsche Behauptung, lanciert unter anderem von Donald Trump.

Danke, Facebook! Danke, Twitter! Fake-News und Viren lassen sich nur stoppen, wenn man sie nicht weiterverbreitet.

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur