Gangster, Spinner und andere Plagen

Mamma mia, Post von einem dieser Pöbe­lanten, was für ein, Pardon, Kotzbrocken. Er schrei(b)t: Zensur! Drecksblatt! Lügenpresse! Und mutmaßt, dass „die Schisser“ vom Volksfreund sich nicht trauen, seine Texte, seine Leserbriefe zu bringen. Weil er die Wahrheit aufdecke, aber „die Schisser“ hätten ja Order von oben …

Ach, die Leier wieder. Also gut, nur Mut: In dieser Zeitung darf jeder seine Meinung sagen.

Die Redaktion passt auf, dass es nicht drunter und drüber geht, dass kein grober Unfug verbreitet wird, dass niemand beleidigt, geschmäht, diskriminiert wird, dass keiner ausrastet, durchdreht, hetzt (etwa gegen Ausländer, Homosexuelle, Andersdenkende).

Manchmal ist es schwierig, die Grenzen zu ziehen. Was für die einen unerträglich ist, tolerieren die anderen. Im Zweifel, trotz des beachtlichen Unterhaltungswerts: Rabauken, Rambos und Radikalinskis, Verirrte, Verwirrte und Verblendete bleiben draußen.

Was und wer gemeint ist? Na, zum Beispiel solche Prachtexemplare, frisch eingetroffen:

Herr D. meldet sich aus Irland per „Priority Aerphost“, er sei auf der Suche nach Mr. X. und dem Pinguin – zwei mutmaßlichen Gangstern, die im ehemaligen Nato-Bunker von Traben-Trarbach mit ihrer Bande krumme Dinger gedreht haben sollen (Drogen, Waffen, Falschgeld, Kinderpornos) und jetzt in U-Haft auf ihren Prozess warten. Er wolle ihnen das Gelände auf dem Mont Royal in Traben-Trarbach abkaufen. Für zwei Millionen. Und so weiter.

Herr K. verkündet, er wisse, wie die Corona-Pandemie in die Welt gekommen sei – als Strafgericht Gottes, weil der Sonntag der falsche Ruhetag ist und der Papst und Donald Trump gegen die Zehn Gebote verstoßen haben und jetzt die letzten sieben Plagen auf die Sünder ausgegossen werden. Und so weiter.

Herr F. ätzt: Die Umvolkung Deutschlands geht weiter […] alles wird totgeschwiegen, was im Sinne Merkels und ihrer Mischpoke nicht sein darf […] Leserverarschung pur […] Hass und Hetze gegen treue, verantwortungsvolle und vaterlandsliebende Bürger […] praktizierter Rassismus von einer Minderheit von machtgeilen Spinnern mit verschlagenen, verlogenen und dreckigen Worten als Kriegswaffe brutal ohne Skrupel eingesetzt. Und so weiter.

Drei Beispiele von vielen. Fortsetzung folgt.

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur