Jetzt also „Kini“? Ach, du Shrek!

Glanz und Gloria: Der bayerische Politiker Markus Söder ist ein heißer Kandidat fürs Kanzleramt. Er sagt dazu nix, er lässt Bilder wirken. Ganz schön schlau.

Unter uns: Ich hätte zu gern Mäuschen gespielt, als die Türen zugingen, ich wäre zu gern drin gewesen im prächtigen Spiegelsaal des prunkvollen Schlosses auf der Herreninsel im Chiemsee. Was der König von Bayern und die preußische K…, ähm, was Herr Söder und Frau Merkel zu besprechen hatten beim Mittagsmahl (Backhendl, Renke, Sommersalat), das waren mutmaßlich die knibbeligsten Fragen der Politik, gewaltige Ideen, irgendetwas Spektakuläres – warum sonst wäre die Chefin der Bundesregierung aus Berlin an den Chiemsee geeilt? Sie hätte, wie sonst auch, eine Kurznachricht schreiben können, telefonieren, eine Video­schalte machen. Muss also richtig wichtig gewesen sein. Hmm.

Erinnert sich wer, um was es ging? Hat jemand etwas gesehen-gehört-gelesen? Kam das in der Berichterstattung vom Hofe vor? Wenn ja, ist es vergessen.

Was bleibt, sind die Bilder der Inszenierung. Die märchenhafte Kulisse. Das Schloss. Der Spiegelsaal. Die Fahrt mit dem Raddampfer, mit der Kutsche. Was bleibt, sind die Wortspielereien, die Metaphern: Sonnenkönig, Kronprinz, Thronfolge. Was für ein Pomp, was für eine Show! All das prägt die Berichterstattung vom Hofe, und die Berichterstattung vom Hofe prägt die Wahrnehmung der Menschen, der Wähler (doch, doch, wir leben in einer Demokratie!).

Markus Söder weiß um die Kraft der Bilder. Er poliert sein Image, er bringt sich in Position, er wartet darauf, dass die Republik ihn ruft – ins Kanzleramt. Dass er (Corona-)Krisenmanager kann, nehmen die Deutschen ihm ab. Jetzt zeigt er lässig, dass er es versteht, Regie zu führen, zu repräsentieren, und Mutti, die gutgelaunte Angela Merkel, findet es gut, findet ihn gut. Seine Botschaft: Seht her, ich meistere alle Herausforderungen.

Der Mann hat sich oft gehäutet, er gab in der Politik den Populisten und den Poltergeist, im Karneval die Monroe, Homer Simpson und Shrek, den tollkühnen Helden. Neuerdings also Landesvater, Regent, ein bisschen „Kini“, wie sie in Bayern sagen.

Ich male mir aus, was los wäre, wenn Malu Dreyer die Bundeskanzlerin einladen würde, um dem rheinland-pfälzischen Kabinett die Leitlinien der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu erläutern,  nüchtern und sachlich, im Stil Söders – etwa so: Audienz in der Palastaula des Kaisers Konstantin in Trier, römische Gladiatoren, die Spalier stehen, mit dem Neumagener Weinschiff auf der Mosel schippern … ich würde zu gern Mäuschen spielen.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur