Scholz-Man und der Wumms

Tsching! Boing! Uff! Zack! Oops! Peng! Zisch!

Comic-Sprache. Lautmalerei. Jeder weiß sofort, was gemeint ist. Eine Sprechblase genügt.

Jetzt hat die Politik die Wucht der Wumms-Rumms-Bumms-Wörter entdeckt. Allen voran: Olaf Scholz, der sozialdemokratische Vizekanzler und Finanzminister. Vor nicht langer Zeit als „Scholzomat“ belächelt, weil er in gestanzten Politikersätzen roboterhaft die Welt erklärte. Und nun? Der oberste Krisenmanager der Republik. Ein Mann, ein Wumms. Mit der Bazooka ballert er das böse Virus weg.

Wie kommt’s?

Erklärung eins: Wenn du willst, dass auch der Letzte kapiert, um was es geht, sage es deinem Volk kurz, klar, bildhaft. Wir hauen ganz viel Geld raus, um Deutschland in der Corona-Krise zu retten.

Wumms!

Braucht es mehr? All das komplizierte Zeugs, das im „beispiellosen Konjunkturpaket“ verschnürt ist, versteht doch eh keiner: verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für bewegliche Wirtschaftsgüter, Erweiterung des steuerlichen Verlustrücktrags … stattdessen:

Wumms!

Erklärung zwei: Wir, die Regierung, kümmern uns um die Armen und Schwachen, wir kämpfen für das Gute und Gerechte, wir beschützen alle vor unheimlichen Monstern und fiesen Möpsen und gefährlichen Seuchen – so wie die Helden im Comic. Superman, Spider-Man, Batman und wie sie heißen. Unglaublich stark, unglaublich schlau, unglaublich mutig. Ach, dieser Scholz-Man …

Die Wummserei entstammt ursprünglich dem Vokabular des Kriegs und beschreibt die Wirkung, die fürchterliche Superwaffen wie die Dicke Bertha hinterließen.

Im Sport, speziell im Fußball, war die Blut-Schweiß-und-Tränen-Metaphorik weit verbreitet. Wenn „Bomber“ Müller eine „Granate“ abfeuerte, jubelten die „Schlachtenbummler“. Inzwischen ist die Sprache politisch korrekt(er).

Typen mit Ecken und Kanten wie Strauß oder Wehner, die ausgeteilt und eingesteckt haben, gibt es im deutschen Politikbetrieb kaum noch. Die meisten: glatt, brav, trainiert – wie Manager, die ihre Karriere nach der Mäuse-Strategie planen, der Spaghetti-Methode oder dem Peter-Prinzip.

Von daher bemerkenswert, wie kraftmeierisch sich Scholz-Man in der Krise inszeniert. Mit Wumms! Und einem ironischen Lächeln …

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur