Er lügt und lügt und lügt …

Soso, Post von Donald Trump. Ein Witzbold schickt mir nach der Kolumne von neulich („Die absolute Wahrheit“, TV vom 26./27. Oktober) sein Statement zum Klimawandel, im typischen Trump-Stil: „Der Winter naht – wir brauchen die globale Erwärmung, dringend!“

Na, ob der Volksfreund das wohl veröffentlicht, fragt der Witzbold, der sich Donald Trump nennt. Bestimmt nicht. Weil ja, siehe Kolumne von neulich, „alternative Fakten“ und „abweichende Meinungen“ von  „selbst denkenden Bürgern“ mit fadenscheinigen Begründungen aussortiert würden. Wenn dagegen der US-Präsident behauptet, dass es keinen Klimawandel gibt, komme er damit garantiert in die Zeitung.

Netter Versuch, Herr Trump (der falsche). Ein Fake ist ein Fake ist ein Fake. Trump (der echte) umgeht die unabhängigen Medien, die er Fake-News schimpft, und „informiert“ die Amerikaner und den Rest der  Welt direkt und ungefiltert über den Social-Media-Kanal Twitter. Der Vorteil, den
@realDonaldTrump (das ist seine Kennung) daraus zieht: Seine Meinung ist auf dem Markt und kann von den Faktencheckern der unabhängigen Medien erst nachträglich eingeordnet werden.

Selbstverständlich berichten Journalisten über die Irrungen und Wirrungen Trumps, selbstverständlich decken sie seine Lügen auf, selbstverständlich entlarven sie seine Fakes. Das Netz vergisst nichts: In zehn Jahren hat
@realDonaldTrump mehr als vierzigtausendmal gezwitschert. Mal beleidigt er Demokraten wegen ihrer Hautfarbe, mal droht er, die Türkei zu zerstören, mal lobt er sich als genialen Staatenlenker. Seine Gegner tituliert er mit Vorliebe als „schrecklich“, als „Verlierer“, als „Dummkopf“. Und er lügt und lügt und lügt. Tausendmal überführt, tausendmal  ist nix passiert.

Ach so, Klimawandel – Trump glaubt nicht dran. Einer seiner krassen Tweets zum Thema, noch bevor er ins Weiße Haus einzog: „Das Konzept der globalen Erwärmung wurde von den Chinesen erfunden, um die US-Industrie konkurrenzunfähig zu machen.“ Grober Unfug, wie so viele Trump-Tiraden, nachgeplappert von seinen Anhängern, nachgeplappert von „selbst denkenden Bürgern“. Klingt irre, ist irre. Aber keine ganz neue Erkenntnis über das Menschengeschlecht. Vor vierhundert Jahren schrieb Shakespeare im König Lear: „Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.“

Herzliche Grüße

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.