Es war einmal ein Mädchen …

Ein mutiges Mädchen legt sich mit den Mächtigen der Welt an – was für eine Story!

Tun wir mal so, als ob. Ein Gedankenexperiment. Tun wir mal so, als gäbe es kein Internet. Kein Fernsehen. Kein Radio. Keine Zeitungen. Keine Nachrichtenmaschinen. Nichts von alldem. Unsere Welt wäre klein, sehr klein. Von dem, was hinterm Horizont passiert, wüssten wir wenig.

Urwald, der im Amazonasbecken brennt? Niemand würde davon erfahren. Eis, das auf Grönland wegtaut? Niemand würde davon erfahren. Ein schwedisches Mädchen, das an Weltschmerz leidet und freitags die Schule schwänzt? Niemand würde davon erfahren.

Ende des Gedankenexperiments. Greta Thunberg ist ein Publicity-Phänomen. Die Medien haben sie zu dem gemacht, was sie ist. Ein mutiges Mädchen, das sich mit den Mächtigen der Welt anlegt und ihnen Zorn und Verachtung entgegenschleudert. Was für eine märchenhafte Story!

Anfangs war sie Pippi Langstrumpf oder Heidi mit dem Pappschild „Skolstrejk för klimatet“, trotzig, rebellisch. Bald eine Prophetin, eine Heilige, eine Erlöserin, verehrt, verklärt von Millionen Fridays-for-Future-Protestlern. Die einen vergleichen sie mit dem biblischen David (der Goliath bezwang), andere mit dem Religionsrevoluzzer Martin Luther (Widersacher von Kaisern und Päpsten), wieder andere mit Jeanne d’Arc, der furchtlosen Bauerntochter, die Frankreich im Hundertjährigen Krieg zu einem legendären Sieg gegen England führte. Geht’s noch?!

Die halbe Menschheit sorgt sich um die Zukunft des Planeten, Gretas Botschaft ist weder neu noch exklusiv, zahllose (erwachsene) Aktivisten und Organisationen kämpfen für den Klimaschutz. Und doch: Greta-Hype, Greta-Hysterie. Sie ist eine Ikone, ein Star, sie lässt sich  vermarkten, instrumentalisieren – der Liebe und der Sehnsucht von Millionen ausgesetzt, aber auch der Wut und dem Hass von Millionen.

Greta Thunberg polarisiert. Dass sie Panik schürt und Angst verbreitet, um Aufmerksamkeit zu bekommen – geschenkt, das gehört zur (Selbst)vermarktung.

Bedenklicher: Sie tritt autoritär auf, einige Kritiker sagen antidemokratisch, nur ihre eigene Überzeugung zählt. „Wir“, sagt sie, „die Menschen“, müssen die Sache in die Hand nehmen, weil „unsere Führer“ sich nicht kümmern.

Hmm. Ein radikaler Ansatz. Ziviler Ungehorsam. Träumt Greta Thunberg gar von einer Öko-Diktatur, weil sie glaubt, nur so sei die Welt zu retten? Wie erzählen die Medien ihre Geschichte weiter? Es war einmal ein Mädchen …

Herzliche Grüße

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

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