Wat geiht meck dat an?!

Sieh an! Nach der Europa-Wahl sind  einige Politiker aufgewacht. Muss ja eine gewaltige Überraschung gewesen sein für MerkelNahlesAKKundwiesie­alleheißen: Da draußen im Land gibt es offenbar Menschen, die sich um die Zukunft sorgen. Na so was! Menschen, die wollen, dass endlich etwas unternommen wird gegen die Zerstörung der Erde. Un­erhört! Menschen, die sich abwenden von denen, die das Sagen haben und nichts tun. Jedenfalls nichts, was geeignet wäre, die Erwärmung des Planeten mitsamt der fatalen Konsequenzen für alle Erdlinge aufzuhalten. Sapperment!

Zum x-ten Mal: Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, mit denen unsere Spezies je konfrontiert war. Je! Warum braucht es immer so unheimlich lange, bis die Leute kapieren, dass sie dabei sind, sich und womöglich die ganze Welt zugrunde zu richten?

Die Sache mit dem Frieden: Es hat zwei Weltkriege gedauert, bis mehr als ein paar Pazifisten davon überzeugt waren, dass die Menschheit kurz davor ist, sich selbst auszurotten. (Und wir sind mit dem Thema längst nicht durch!)

Die Sache mit der Umwelt: Dass es böse enden wird, wenn wir die Natur ausbeuten und verwüsten, wissen wir seit einem halben Jahrhundert. Mindestens. Die Grenzen des Wachstums. Langsam, ganz langsam bewegt sich etwas. Puh!

Warum bloß sind wir so träge, so ignorant? Mal die Wissenschaft fragen. Die Aufgabenstellung ist für unsere Steinzeit-Gehirne wohl zu komplex, meinen Psychologen wie Daniel Gilbert von der Harvard-Universität. Weil wir darauf spezialisiert sind, über andere Menschen nachzudenken, nicht über Ereignisse. Weil wir trainiert sind, gegenwärtige Probleme zu lösen, nicht die der Zukunft. Wäre die globale Erwärmung eine Waffe, die ein fieser Diktator auf uns richtet, würde sie uns persönlich und unmittelbar und frontal attackieren – dann kämpften wir mit aller Macht dagegen an. Ist sie aber nicht, und so hielten (und halten) es viele mit Wilhelm Buschs kultigem Bauer Mecke, der das traurige Schicksal der Knaben Max und Moritz pupstrocken kommentiert: „Wat geiht meck dat an?!“

Unter uns: Das nächste dicke Ding ist längst im Anmarsch. Eine Revolution, genauso grundstürzend wie der Klimawandel: künstliche Intelligenz, superschlaue Maschinen, die viel cleverer sind als wir. Und es ist wie immer: Ein neues Zeitalter beginnt, und (fast) keiner merkt‘s. Alles verändert sich, und (fast) keiner will es wahrhaben. Die Welt, wie wir sie kennen, wird in einigen Dekaden eine ganz andere sein, und (fast) alle sagen: Was geht mich das an?! Hallo Erdlinge, aufwachen!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

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