Hömma, hier is dä Jupp

Vor einem Vierteljahrhundert und mehr, in einer Welt ohne Internet, ohne Wikipedia, ohne Smartphone, kam es nicht selten vor: Wenn die Menschen etwas wissen wollten und kein Nachschlagewerk zur Hand war, riefen sie bei der Zeitung an. Gerne zu vorgerückter Stunde, gerne aus der Kneipe. „Hömma, hier is dä Jupp“, klang es zum Beispiel aus dem Telefonhörer. Im Hintergrund Gejohle. „In welcher Runde hat dä Schmeling damals dä Louis k.o. geschlagen?“ Ah, der erste Kampf der beiden legendären Schwergewichtsboxer, Juni 1936, New York … das war: die zwölfte Runde. „Siehste, Paul, hab’ ich doch gesagt“, dröhnte es aus dem Hörer. „Wette gewonnen, du zahlst die Zeche!“ Gejohle, aufgelegt.

So etwas fragt kaum noch einer; es lässt sich jederzeit und überall googeln. Jetzt ruft dä Jupp bei der Zeitung an, um darzulegen, was in diesem oder jenem Artikel nicht gestimmt hat. Oder schreibt eine Mail. Oder schimpft auf Facebook. „Hömma, ich hab irgendwo gelesen, dat dat so und so war und nit so, wie ihr geschrieben habt.“ Fehler passieren. Und werden korrigiert.

Schwierig wird’s, wenn dä Jupp alternative Fakten auftut, die er für echt hält, die sich aber nicht überprüfen lassen. „Hömma, dä Schmeling hat ja für dä Hitler unn dä Goebbels… bring dat mal in die Zeitung!“ Ach, Jupp …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

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