Gefühle

Nachklapp zur Diskussion um das postfaktische Zeitalter (siehe Kolumne vom 10./11. Dezember): Wozu überhaupt solche Kategorien? Solche Schubladen? Solche Etiketten für alles und jedes?

Es ist der Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen. Es ist der tief in uns Erdlingen verwurzelte Antrieb, das Leben unter Kontrolle zu bekommen. Es ist der Wunsch, das dunkle, geheimnisvolle Universum zu erklären. Ein bisschen wenigstens.

Dieser Impuls steckt anscheinend in uns drin, seit wir von den Bäumen herabgestiegen sind. Eines der frühesten überlieferten Beispiele stammt von Hesiod. Der Grieche zählte vor zweitausendachthundert Jahren in seinem Lehrgedicht Werke und Tage fünf Weltalter auf: das goldene, das silberne, das eherne oder erzene, das Zeitalter der Heroen und das eiserne.

Seitdem: immer neue Begrifflichkeiten, immer neue Schlagwörter. Bis in die Moderne. Und in die Postmoderne. Der amerikanische Denker Francis Fukuyama rief in den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts das Ende der Geschichte aus. Weil es nach dem Fall der Berliner Mauer keine weltpolitischen Widersprüche, keine Konfrontationen der Systeme mehr gebe. Welch ein Irrtum!

Es geht weiter. Geschichte wird gemacht. Um die Schrecken zu bannen, um das Durcheinander zu systematisieren, zu differenzieren, zu klassifizieren, brauchen wir Namen dafür.

Jetzt also das postfaktische Zeitalter, knapp nach der digitalen Revolution, mitten im technologischen Totalitarismus, kurz bevor die Roboter die Macht übernehmen, Sternzeit Viertel nach Halbernackisch oder so.

Seit dem Urknall sind ungefähr ziemlich genau 13,798 plus minus 0,037 Milliarden Jahre oder (4.354 plus minus 0.012) mal zehn hoch 17 Sekunden vergangen (aus Wikipedia, stimmt hoffentlich).

Müssen wir wissen, was in jeder dieser Sekunden passiert ist?! Uns darüber aufregen?! Nö. Faktisch ist Weihnachtszeit, mit all dem postfaktischen Gefühlsdusel, der dazugehört. Bleiben Sie munter!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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