Alles richtig

Da geht noch was: Die Kolumne über das bekannteste Wort der Welt (TV vom 22./23. Oktober) verlangt einen Nachschlag, meinen einige Leser. Bitte schön, das ist okay.

Erstmals taucht das Kürzel o.k. in der Zeitung Boston Morning Post auf, im Jahr 1839. Was es ursprünglich bedeutet, wo es herstammt, ist umstritten und nicht einwandfrei geklärt.

Der Volkskundler Allen Walker Read vermutet, dass es sich um einen Witz handelt, um eine absichtliche Falschschreibung (oll korrekt) der Abkürzung für all correct (wörtlich: alles richtig). Leser Heinz Kind aus Trier hält diese Argumentation für schlüssig: Die Schreiberlinge der Bostoner Zeitungen machten sich seinerzeit einen Jux daraus, gängige Abkürzungen wie N.G. (no go) und A.R. (all right) zu verballhornen; so entstanden Fantasie-Akronyme wie K.G. (know go) und O.K. (oll korrekt).

Schreiben nach Gehör, sozusagen. Vielleicht hat Friedrich Wilhelm Ludolf Gerhard Augustin von Steuben, Mitte des 18. Jahrhunderts als preußischer Offizier in US-Diensten, daran mitgewirkt. Er zeichnete Schriftstücke lautmalerisch mit oll korrekt ab, im Militärjargon o. k. abgekürzt.

Solche Sprachspielereien begegnen uns heute in Chat-Kürzeln wie CU (see you = tschüss, man sieht sich), LOL (laughing out loud = laut lachen) oder OMG (oh my god).

Auf die O.K.-Marotte der Zeitungsleute spielte wohl der O.K. Club = Old Kinderhook Club an, eine 1840 gebildete Vereinigung zur Förderung der Wiederwahl des US-amerikanischen Präsidenten Martin van Buren, geboren in Kinderhook bei Albany im Staat New York.

Horst Freischmidt aus Trier verweist auf altsprachliche Wurzeln. Ola kala ist Griechisch, zu Deutsch: alles gut. Mit o.k. haben Lehrer sehr gute Arbeiten von Schülern im Fach Griechisch bewertet.

Der Forscher David Dalby glaubt, dass die Herkunft von okay in der westafrikanischen Sprache Wolof liegt. Sklaven brachten das Wort woukay, das so viel wie in Ordnung heißt, mit nach Amerika.

In der Sprache des Indianerstamms der Choctaw kommt das Wort okeh (= es ist) vor – in manchen Wörterbüchern bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Quelle für okay genannt.

Andere behaupten, dass der Begriff mit einem hochprozentigen Destillat zu tun hat: Rum aus Haiti galt in den USA als besonders lecker, verschifft wurde der Stoff in der Hafenstadt Les Cayes,  früher Aux Cayes, gesprochen Ou käi = O.K. Voilà!

Vielleicht stimmt ja die neulich vorgestellte Theorie, dass okay im Kern deutschstämmig ist: o.K. = ohne Korrektur, ein Vermerk, mit dem Verlagslektoren fehlerfreie Texte markierten, in der amerikanischen Aussprache: okay. Ausgewandert aus Deutschland in die Staaten, von dort wieder zurückgekehrt. Oh wundersame, wunderbare Welt der Wörter!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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1 Kommentar

  1. Okay steht für: „Ich habe dich verstanden, das hätte ich ja nie gedacht, dass man es mal von dieser Warte aus betrachten könnte… da denke ich mal drüber nach, wenn ich Zeit habe,…. mach mal, was du denkst….
    Es ist tatsächlich nicht immer Zustimmung, aber immerhin.
    Kommt gleich nach: „Sehr gerne….“
    Da weiß man nicht, ob es bedeutet: Tu ich doch mit Freude, oder einfach….
    Ich sage es einfach mal so, weil man es so sagt…..

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