Abk. etc. pp.

Zum Artikel „Trierer Richter: Weiter voller Schutz für syrische Flüchtlinge“ (TV vom 8./9. Oktober) meint Dr. Wolf Englert aus Bernkastel-Kues:

Um es vorwegzunehmen, ich kann Abkürzungen nicht leiden. Wenn solche aber verwendet werden, sollten sie wenigstens sinnvoll und richtig sein. Im Volksfreund (TV) wird ausführlich über ein Urteil des Verwaltungsgerichts Trier (VG Trier) berichtet. Darin wird mehrfach das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erwähnt. Laut TV abgekürzt: Bamf. Die Behörde selbst, die ja in den letzten Monaten viel von sich reden machte, kürzt sich mit BAMF ab. Beide Abkürzungen sind unlogisch und meines Erachtens (m. E.) falsch.

Das Bundesamt für Strahlensicherheit zum Beispiel (z. B.) verwendet die Abkürzung BfS, das Bundesamt für Justiz die Abkürzung BfJ. Logisch wäre es also, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit BfMF abzukürzen. Zugegeben, das geht nicht so leicht von der Zunge, also könnte man auch BaMF verwenden. Da müsste aber die Groß- und Kleinschreibung exakt sein. Bamf und BAMF sind schlicht Unsinn.

Sicher gibt es wichtigere Probleme in diesen Zeiten, als über die Abkürzung einer Behörde zu sinnieren. Aber vielleicht denkt die Redaktion des TV einmal über diese Anregung nach.

Lieber Herr Dr. Englert,

dazu eine Anm. d. Red.: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nennt sich BAMF, das hat sich kein Redakteur dieser Zeitung ausgedacht. Tauchte im Volksfreund eine andere Abkürzung auf, etwa wie von Ihnen vorgeschlagen BfMF, wären die Leser verwirrt, denn in anderen Medien würden sie mit dem Original konfrontiert.

Ganz grundsätzlich: Das Thema ist ein leidiges. Die Welt ist voller Amts- und Behördendeutsch und gruseliger Abkürzungen. Texte davon zu befreien, ist Schwerstarbeit. Der übermäßige Gebrauch von Abk. etc. pp. gilt als schlechter Stil. Warum? Weil sie den Erzählfluss zerstören, weil sie die Sprachmelodie zerhacken, weil kein Leser die Geduld aufbringt, sich beispielsweise durch solchen Dschungel zu quälen: Das MBliV zur DVO des AdVermiG i.V.m. dem BKGG ist im MIFKJF von RLP …

Derlei Zungen- und Gedankenbrecherei ist fatal. Am besten: vermeiden. Wenn unvermeidlich: erklären (ich habe das frecherweise unterlassen, um vorzuführen, was passiert).

Für Volksfreunde gilt (Auszug aus dem Redaktionshandbuch):

Die Abkürzung steht in Großbuchstaben, wenn sie nicht in einem Wort, sondern Buchstabe für Buchstabe gelesen wird, etwa DFB. Im Gegensatz dazu schreiben wir zum Beispiel Fifa, weil diese Abkürzung als Wort gesprochen wird. Also: PKW, LKW, SPD, CDU, USA, EU vs. Nato, Uno, Uefa, Unicef, Bamf …

Gängige Abkürzungen wie z. B., u. a., usw., ca., d. h. werden in der Zeitung ausgeschrieben.

P. S.: Ausnahmen bestätigen die Regel, wie immer.

MfG! 🙂

Peter Reinhart

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