Saise, bruda

Wanderwörter. Exportiert aus der deutschen Sprache in alle Welt. Tausende solcher Germanismen gibt es. Wie neulich versprochen, hier einige Beispiele*, mal komisch, mal kurios:

Auf Afrikaans heißen ungeduldige Deutsche Aberjetze. Ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit, in der die Besatzer in Südwestafrika ihre Arbeiter mit dem Ruf „Aber jetzt!“ antrieben.

In Kanada treffen sich Frauen zum kaffeeklatsching. Wer sich bei  vorspiel und nachspiel in Norwegen versext fühlt, liegt falsch – gemeint ist das Bier oder der Cocktail vor oder nach einem Kneipenabend.

Die Japaner gehen fleißig ihrer arubaito nach, stolz preisen sie die rommel (= Siege) ihrer Sportler. Wie bitte, rommel? Ja, von Erwin Rommel, Generalfeldmarschall, Hitlers „Wüstenfuchs“ und während des Zweiten Weltkriegs in japanischen Wochenschauen bejubelt. Und heute? Als die Fußballer Nippons 2006 zur WM nach Deutschland reisten, hatten sie ihr Maskottchen dabei: einen schwarzen Dackel namens Erwin Rommel. Offiziell akkreditiert, der Hund. Ins Stadion durfte er aber nicht.

Von der Kolonialherrschaft in Papua-Neuguinea zeugen in der Kreolsprache Tok Pisinin Wörter wie supkar (= Schubkarre), boamasin (= Bohrmaschine), balaistip (= Bleistift) oder bigelaisen (= Bügeleisen). Der raue Ton der Deutschen hat in Schimpfwörtern wie rinfi (= Rindvieh) oder saise (= Scheiße) überdauert. An die Missionierung durch katholische Laien erinnern bruda, svesta, prista – und beten.

Wenn Brasilianer Lust auf Streuselkuchen haben, backen sie cuca. Chimia ist Marmelade, abgeleitet von der schmier, die ausgewanderte Hunsrücker mitbrachten. Zünftig gefeiert wird beim oktoberfest oder bei der kerb (= Kirmes). Die Mexikaner sagen kermes, wenn sie sich zum Straßenfest verabreden.

Die Australier tanzen zur Oom Pah pah Music (= Humtata), nicht zu verwechseln mit dem Humppa-Sound. Den lieben die Finnen, ebenso wie die kahvipaussi (= Kaffeepause) und die braatwursti  (= Bratwurst).

Dinge, deren Name uns nicht einfällt, bezeichnen wir als Dingsbums, auf Polnisch: wihaister. Gib’ mir mal bitte den, ähh, wihaister rüber. Oder so.

Ganz schön pfiffig, wie das Lager von US-Präsident George W. Bush im  amerikanischen Wahlkampf vor zwölf Jahren den demokratischen Herausforderer John Kerry schmähte: Der sei zu wischi-waschi für das Amt.

Besserwisser, spotten die Schweden. Und fertik sagen die Türken, bevor der Zug abfährt – seit 1913, als die Deutschen die Bagdadbahn bauten.

Fertig? Noch lange nicht, der Spaß mit Wörtern, ob’s eingewanderte sind oder ausgewanderte oder ganz andere, nimmt kein Ende. Demnächst mehr in diesem Theater.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

*großteils aus dem Buch „Ausgewanderte Wörter“, gesammelt vom Deutschen Sprachrat, der Gesellschaft für deutsche Sprache und dem Goethe-Institut, Hueber Verlag 2006.

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