Ich war’s nicht

Unglaublich! – Gibt’s doch nicht! – Was für eine Luftnummer! – Peinlich!  Das sind Auszüge aus Zuschriften von Lesern zum geplatzten Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn. Unverständnis, Ratlosigkeit, auch Häme – und immer wieder die Frage: Wie kann das sein?!

Liebe Leser,

die Welt ist ein merkwürdiger Ort, voller Geschichten, die so irre sind, dass man viel Fantasie braucht, um sie sich auszudenken. Sie sind aber nicht erfunden. Sie passieren, im richtigen Leben. Die Polit-Posse um den Hahn – oder ist es ein Wirtschaftskrimi? – gehört dazu. Jetzt schon, obwohl längst nicht alle Einzelheiten bekannt sind.

So wahr ich dies schreibe: Als Bernd Wientjes, Chefreporter des Volksfreunds, vor viereinhalb Wochen vom Hahn zurückkehrte und berichtete, Innenminister Lewentz habe vor der Presse verkündet, dass der Deal mit dem chinesischen Investor Shanghai Yiqian Trading Co. Limited (SYT) perfekt sei, dass ein Herr namens Yu Tao Chou als Generalbevollmächtigter des Käufers auftrat und sich als Arzt, Pilot und Geschäftsmann vorstellte – war meine erste Reaktion: Da ist etwas faul! Meine zweite Reaktion: Auftrag an die Reporter, alles herauszufinden, was über Yu Tao Chou, seine Firma und das Prozedere des Verkaufs herauszufinden ist!

Ähnliches ereignete sich in anderen Medienhäusern der Republik. Überall stürzten sich Journalisten auf den Fall, ignorierten die Beschwichtigungen der Politiker, fragten und forschten, ließen nicht locker, beförderten fast täglich neue Details ans Licht. Gut gemacht!

Und wie geht die absurde Story weiter? Zu den schlechten Angewohnheiten von Politikern gehört ein Spiel namens Blame Game, zu Deutsch: Man sucht Schuldige für die eigenen Fehler. Ich war’s nicht! Die anderen haben es versemmelt! Die Wirtschaftsprüfer, die Europäische Union, die Chinesen …

Schau’n mer mal, wie das groteske Spektakel endet. Sicher ist: Wir bleiben dran.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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3 Kommentare

  1. Gut, dass wir für die anderen Fälle – Pflegefälle auch – unabhängige Journalisten haben wie die von Correctiv und Abgeordnetenwatch.
    Die Journalisten, die sich auf Thema der Jahrzehnte – Pflegemissstände –
    stürzen, kann man an einer Hand abzählen. Da stinke der Fisch am Kopf, der Selbstverwaltung, aber die meisten halten sich die Nase zu und sagen:
    Geht doch.

  2. Nachher ist man immer schlauer. Warum haben SIe nicht an die landesregierung und an kpmg geschrieben, das es sich hier
    um wirtschaftskriminalität handelt.
    Jetzt stellt es sich mir so dar, dass Sie so schlau sind, wie klöckner,
    schon vorher erkennen, wozu renomierte firmen monate brauchen.
    Meines erachtens nicht ganz fair.
    mit freundlichem gruss

  3. Wieso nachher? Wieso schlauer als andere? Das sagt doch niemand. Sondern:
    Vom Moment der Bekanntgabe des Hahn-Deals an das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Ein Gefühl. Und Fragen über Fragen. Seitdem: Recherchen, Veröffentlichungen, Enthüllungen, Veröffentlichungen, Recherchen, Veröffentlichungen … Seit Wochen, im Volksfreund, in vielen anderen Medien.
    Journalisten beraten nicht Regierungen, sondern kontrollieren sie. Und berichten.
    Herzliche Grüße

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