Bullshit

Neulich habe ich in dieser Kolumne das Wort Bullshit verwendet. Es ging um Jogi Löws #Hosengate und das Gespött im Internet über den Fehlgriff des Bundestrainers, der in seiner Büx herumgekramt und an den Fingern geschnüffelt hatte – vor den Augen der Welt. Das Netz beschäftigte sich tagelang damit.

Leser S. fragt: Was ist Bullshit? Erstens hört sich das eklig an, zweitens ist mir nicht ganz klar, was damit gemeint ist.

Lieber Herr S.,

wörtlich übersetzt aus dem Englischen bedeutet Bullshit, verzeihen Sie den Vulgärausdruck, Bullenscheiße, im übertragenen Sinn: Quatsch, Schwachsinn, Humbug, Mumpitz, heiße Luft, Dampf, leeres Gerede, Hohlsprech, Geblubber.

Der amerikanische Philosoph Harry Gordon Frankfurt hat Bullshit in den 1980ern analysiert, sein gleichnamiges Buch ist 2006 in Deutschland veröffentlicht worden. Er schreibt: „Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es so viel Bullshit gibt. Jeder kennt Bullshit. Jeder trägt sein Scherflein dazu bei.“ Bullshit sei unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen, meint Frankfurt. Dies sei häufig im öffentlichen Leben zu beobachten, „in dem Menschen sich – aus eigenem Antrieb oder auf Anforderung anderer – oft gedrängt sehen, sich eingehend über Gegenstände auszulassen, von denen sie wenig Ahnung haben. In dieselbe Richtung wirkt die weitverbreitete Überzeugung, in einer Demokratie sei der Bürger verpflichtet, Meinungen zu allen erdenklichen Themen zu entwickeln oder zumindest zu all jenen Fragen, die für die öffentlichen Angelegenheiten von Bedeutung sind.“

Wenn der Gelehrte geahnt hätte, dass es ein Internet geben würde, das vor Bullshit in höchster Potenz überquillt!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Veröffentlicht inAllgemein

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