Eigentlich

Eigentlich fange ich Texte nicht mit eigentlich an. Eigentlich ist ein Füllwort. Überflüssig.

Eigentlich will ich etwas anderes schreiben. Ich komme nur nicht dazu, nicht einmal uneigentlich. Weil ich auf etwas eingehen muss (aus gegebenem Anlass), das eigentlich oft genug besprochen worden ist. Also:

Verehrte Parteifunktionäre,

in Rheinland-Pfalz ist Wahlkampf, und ich weiß, wie groß die Verlockung ist, die Meinungsspalten der Zeitung als Vehikel für politische Kampagnen und Schleichwerbung in eigener Sache zu nutzen. Wenn Sie, sagen wir mal, Kreisvorsitzender oder Schriftführer der Alternative für Deutschland sind, erwarten Sie bitte nicht, dass wir Zuschriften abdrucken, in denen Sie in leuchtenden Farben ausmalen, wie großartig die AfD ist. Es gilt, für Amts- und Mandatsträger aller Parteien:

Keine! Propaganda! In! Leserbriefen!

Diese Ansage ist alternativlos, und eigentlich ist ihr nichts hinzuzufügen. Ich könnte mich jetzt dem Eigentlichen widmen. Zum Beispiel Heidegger und seinen Kategorien von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit.  Oder Adorno, dem Erfinder des Jargons der Eigentlichkeit. Aber die Kolumne, die eigentlich zwei Spalten hat [Anmerkung: in der gedruckten Ur-Form], ist diesmal kürzer. Und eigentlich schon: zu Ende.

Schöne Grüße, eigentlich

Peter Reinhart

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.