Entscheidend is’ auf’m Platz

Ein Fußballspiel wird angekündigt. Erwins Eleven heißt die eine Mannschaft, Kicker gegen Krebs die andere. Viele der ehemals besten Balltreter der Region sind dabei, zu Ehren des kürzlich verstorbenen Trainers Erwin Berg. Und um Spenden zu sammeln für die Palliativstation des Mutterhauses, die Villa Kunterbunt und die Hospizstiftung. Großartige Idee.

Eberhard Hoos aus Trier merkt zu den Zeitungsberichten über das Benefizspiel an: Eleve = Schauspiel-, Ballettschüler; Land- und Forstwirt während der praktischen Ausbildung (Duden, 25. Auflage, Seite 391). Falls jedoch „Elf“ gemeint ist: Es empfähle sich ein Apostroph („Erwin’s“). Nix für ungut …

Lieber Herr Hoos,

danke, guter Hinweis. Erwins Eleven ist, wie ich finde, eine herrlich doppeldeutige Wortschöpfung. Ein Fußballteam aus elf (englisch: eleven) Männern, die einst Erwin Bergs Schüler (also seine Eleven) waren. Zudem eine Anspielung auf den Hollywood-Film Ocean’s Eleven mit George Clooney (in der Rolle des Danny Ocean), Julia Roberts, Brad Pitt, Matt Damon und anderen Stars, gefolgt von Ocean’s Twelve (deutscher Titel: Ocean’s 12) und Ocean’s Thirteen (deutscher Titel: Ocean’s 13).

Hollywood hat den Apostroph gesetzt, die Trierer Dribbelkünstler nicht. Sprachliches Foul? Gelbe Karte? Nein. In der Bedeutung Eleve wäre der Apostroph falsch, in der Bedeutung elf kann er verwendet werden, muss aber nicht. Einmal  Erwins, einmal Erwin’s. Unentschieden.

Wie kommt’s? Der Apostroph, auch Hinterstrich, Nachstrich, Oberstrich, Oberhäklein, Hochkomma, Auslassungszeichen genannt, weist auf fehlend’ Buchstab’n hin oder markiert den Wes-Fall (Genetiv): Eberhard Hoos’ Briefe lese ich gern.

Interessant, wie sich der Gebrauch des Apostrophs im Lauf der Jahrhunderte änderte. So erklärte der Duden von 1901 das zuvor genehme Häkchen in Namen für regelwidrig; Freigeister wie der Großschriftsteller Thomas Mann hielten dennoch unbeirrt an Johnny’s oder Erika’s fest … Was’n Glück.

Seit der Rechtschreibreform von 1996 wird das kleine Zeichen toleriert, um „die Grundform eines Personennamens“ zu verdeutlichen, etwa in Willi’s Würstchenbude. So steht’s geschrieben im Duden. Und: So stehts geschrieben. Beides möglich. Erlaubt ist, was gefällt. Erwins Eleven würden wohl sagen: Entscheidend is’ auf’m Platz.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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