Wotans Witze

Heidi und Dieter Dawid aus Trier schreiben: Zu Allvater Reinharts „schwerer Possenreiterei“. Ode an die Peinlichkeit. Längst habe ich Abstand davon genommen, die Reinhart’schen Verbalinjurien in seinen herausragenden Repliken zu lesen, denn es scheinen mir die oft etwas abgeschmackten „Rechthabereien“ zu ermüdend, zumal sie häufig eines stellvertretenden Chefredakteurs nicht unbedingt angemessen erscheinen, wie ich meine. Oft drängte sich die Forderung auf: si tacuisses, philosophus mansisses.

Anrüchig will mir die allzu oft zu verkrampfte Art seiner Repliken erscheinen, die ja dem Tenor der Zeitung angemessen sein mögen, aber gegenüber den Lesern/Inserenten oft etwas beschämend sind.

Eines muss man Reinhart zugutehalten: Er versteht es geschickt, (zu) oft an den egozentrischen Härchen herangezogene quasi schulmeisterliche Korrekturen als hohe journalistische Leistung anzubieten. Aber eines muss man ihm auch zugutehalten: Man merkt, es macht ihm gewaltig Spaß und insofern wird die Zeitung wenigstens ihm gerecht.

Man kann oft schwer nachvollziehen, dass das einem hoch qualifizierten stellvertretenden Chefredakteur in der rechten Weise würdig ist, aber, nun ja, es ist mindestens von einer bramarbasierenden und hochintellektuellen Qualität. Wir wollen trotz allem hoffen, dass der Liebe Gott unserem Allvater Reinhart einen gebotenen Teil selbstkritischer Einsichtsfähigkeit zu Teil werden lässt.

Irritierend innerhalb der Repliken ist die oft triefende Selbstgerechtigkeit, die immer wieder verstörend für den Leser durchscheint, diese fast krankhaft anmutende Sucht des Widerspruchs um jeden Preis, die aus durchaus guten Gedankenansätzen letztendlich zuförderst der Rechthaberei geschuldet ist. Ja, so ist er nun einmal, der amicus treverensis populi.

Omnia sua tempora, aber das musste mal gesagt werden.

Huch! Was ist das? Mehr als tausend Briefe bekomme ich jedes Jahr. Einen großen Korb voller Meinungen zum Zeitgeschehen, voller Denkanstöße, voller Themenanregungen. Manche Leser loben (zu Recht). Manche Leser kritisieren (zu Recht). Gut so!

Neben dem großen Korb gibt es einen kleinen; darin landen die gelegentlichen Pöbeleien gegen den Volksfreund, dieses „gottesverwerfliche Drecksorgan“, wie einer mal blaffte. Die Beschimpfungen, die Beleidigungen. Was habe ich mich schon amüsiert über Ehrentitel wie „Heuchler, Pharisäer, Nattergezücht … hochtrabender Schwätzer und Lügner … Feigling und Hosenscheißer … satanischer Schmutzhund … totaler Verbrecher … Arschloch …“.

Dass mich Leser zum „Allvater“ verklären, also zum fabulösen Germanen-Gott Wotan, im Norden Odin genannt, klug, weise und gelehrt wie kein Zweiter, der von seinem magischen Thron auf alle neun Welten blickt, sich von Met und goldenen Äpfeln ernährt … das ist, nun ja, eine solch inbrünstige Anbetung, nein, das mag ich nicht, da muss ich Widerspruch einle… – halt!

Widerspruch ist nicht erwünscht (siehe Brief, vorletzter Absatz). Okay, ich schweige.

Und wie ist das mit Widerspruch in sich? Wie ist es möglich, Urteile über Texte zu fällen, die man nicht gelesen hat (siehe Brief, erster Absatz)?

Was soll’s, ich habe Besseres zu tun. Zum Beispiel auf meinem achtbeinigen Ross Sleipnir durch die Lüfte zu galoppieren, begleitet von den treuen Raben Hugin (der Gedanke) und Munin (die Erinnerung), die mir   alles berichten, was auf der Erde geschieht, später die Wölfe Geri (der Gierige) und Freki (der Gefräßige) zu füttern, bevor ich zur Nacht vielleicht mit meiner Lieblingsgöttergemahlin daheim in Asgard ein Liedchen anstimme, den wohlbekannten Klassiker der nordischen Mythologie: Ein bisschen Spaß muss sein, oder so ähnlich …

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Allvater Wotan, Zauberer und Schamane, Gott der Ekstase, Weisheit und Dichtkunst

(vulgo Peter Reinhart, stellvertretender Chefredakteur)

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