Die Macht der Worte

Hans-Albert Krämer aus Trier schreibt: Warum gibt es angesichts der Krisen und Kriege auf der Welt keinen Gipfel der Religionsführer und Kirchenoberhäupter? Papst Franziskus hat kürzlich die Mafiosi aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen – exkommuniziert. Warum machen die Muslime nicht etwas Ähnliches mit den Terroristen des „Islamischen Staats“? Deren schreckliche Taten sind doch nicht mit den Lehren des Korans vereinbar! Warum leistet sich die Weltbevölkerung überhaupt so viele Religionen in ihren unterschiedlichsten Varianten und Auslegungen? Überflüssig! Führt eh nur zu Konflikten!

Lieber Herr Krämer,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Religionsfreiheit, Glaubenskriege, Friede auf Erden – ein weites, ein sehr weites Feld. Sie erinnern sich: Anfang des Jahres habe ich mich auf Ihre Anregung hin ausführlich damit befasst (zum Nachlesen:  http://forum.blog.volksfreund.de/?s=Jeder+nach+seiner+Fasson).

Die Ausführungen von damals will ich nicht wiederholen. Stattdessen habe ich Ihre Kernfrage zum interkulturellen Dialog dem Trierer Bischof Stephan Ackermann gestellt, der dieser Tage zum Gespräch in der Redaktion war: Warum gibt es angesichts der Krisen und Kriege auf der Welt keinen Gipfel der Religionsführer und Kirchenoberhäupter? Seine Antwort:

„Der Papst spricht häufig mit muslimischen Glaubensführern. Auf diesem Gebiet ist der Vatikan sehr aktiv. Die Herausforderung: Es ist häufig schwer zu erkennen, wer für wen spricht. Auf muslimischer Seite gibt es viele Richtungen, in Deutschland etwa vertreten durch Vereine und Verbände. Eine ganze Reihe muslimischer Religionsgelehrter hat sich unlängst klar zum Thema IS geäußert und den Terror scharf verurteilt. Diese Geschlossenheit ist wichtig. Auf Bistumsebene halten wir Kontakt zu muslimischen Gemeinden. Zwei Vertreter dieser Gemeinden sind als ständige Gäste bei unserer Synode dabei. Sie leiden sehr darunter, dass sie wegen des IS-Terrors unter Druck geraten – obwohl sie sich eindeutig davon distanzieren.“

Wir lernen: „Man“ spricht miteinander. Und: Der fürchterliche Terror der Gotteskrieger wird weltweit geächtet, auch von islamischen Geistlichen.

Was jedoch bringt’s? Die Macht der Worte mag mitunter gewaltige Wirkung entfalten – sie versagt aber im Kampf gegen durchgeknallte Fanatiker, die sich in einen Blutrausch gesteigert haben. Da hilft alles Palavern nicht, leider …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.