Sommerlochverkleinerungsschreiben

Ferien! Das Forum (und mit ihm sein Autor) macht Pause. Vier Wochen. Durchschnaufen. Seele baumeln lassen. Zuvor gibt’s zur Erheiterung einige Auszüge aus ulkigen Zuschriften, von den Absendern mal Sommerlochverkleinerungsschreiben genannt, mal Leserbrief, der nie abgeschickt wurde (dann aber wohl doch irgendwie, sonst wäre er ja nicht angekommen). Ohne Kommentar, die Beiträge stehen für sich. Lesen Sie, staunen Sie:

Herr R. ärgert sich, weil der Volksfreund auf Seite eins den Trick von Gauklern entlarvt, die auf dem Trierer Hauptmarkt – schwebend, schweigend – ihre eindrucksvolle Show abziehen. Und im zugehörigen Text andeutet, dass es sich nicht um pyramidale Magie handelt. Sondern um Handwerkskunst. Warum rauben Sie den Betrachtern die Illusion? Ein unüberlegter Bericht! Sie vergrämen die Künstler und erweisen der Stadt einen Bärendienst! Der Volksfreund ist kein Freund des Volkes!

Völliger Nonsens, kritisiert ein Leser die Artikel über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren. Irrige Behauptungen. Er droht, Strafanzeige zu erstatten, wegen übelster Verleumdung aller Deutschen und wegen Verleumdung Kaiser Wilhelms des Zweiten.

Herr S.: Wir haben Endzeit in der Welt! Wundert euch nicht, wenn das Maß voll ist! Gott vergibt alles, wenn man bereut, aufrichtig von Herzen, und das Böse nicht mehr tut – das gilt auch für Homos und Lesben. Ich wirke, so lang es Tag ist. Es kommt die Nacht, da man nicht mehr kann.

Herr P. mailt aus Sao Paulo: Auf der Fahne Brasiliens steht „Ordem e Progresso“, zu Deutsch: „Ordnung und Fortschritt“. Die deutsche Mannschaft hat dies bei der WM respektiert mit einwandfreiem Haarschnitt, gepflegtem Aussehen und den wenigsten Tätowierungen. Die ganze Welt staunte über diesen sauberen Auftritt! Herzlichen Glückwunsch!

Nachricht von Georg W. und Rolf S., ohne weitere Erläuterung: 3. September 1939, Berlin. Als Botschafter Henderson die englische Kriegserklärung überreicht hatte, saß Hitler wie versteinert da und blickte entgeistert vor sich hin. Nach einer Weile wandte er sich an Ribbentrop, der wie erstarrt am Fenster stehen geblieben war. „Was nun?“, fragte Hitler seinen Außenminister.

Tja, was nun? Herr B. meint: Haben Sie eigentlich nichts Besseres zu tun, als solch ein Geschmiere zu produzieren? Pfui, schämen Sie sich! Das wird Konsequenzen haben.

Aus einer länglichen Zuschrift von Josef H.: Ich halte den ganzen Rummel um Gott und seine Flugbegleiter (Engel und Heilige) als Handgepäck für eine verrückte Idee. Man sollte in einer Demokratie das Recht haben, Leserbriefe zu schreiben und die Öffentlichkeit zu informieren.

Anonym, über eine Kolumne, die in den Eifel-Ausgaben erscheint: Dieser blöööööde Scheiß ist das Lesen nicht wert. Wird von uns nie gelesen. Kein Interesse. Hirnlos. Primitiv.

Soso: Wird nie gelesen, ist aber blöööööder Scheiß. Klar. Noch Fragen? Beantworte ich nach dem Urlaub im September. Bis dahin eine schöne Zeit.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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