Der Doppler-Effekt

Herr. A aus Trier schreibt am 23. Juni: Unter der Überschrift „Mit Kinderschuhen und Plastikembryos gegen die Abtreibung“ hat der TV am 15. Juni über die Aktionen des baden-württembergischen Vereins „Durchblick“ in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Trier der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) und dem „Trierer Bündnis für Lebensrecht und Menschenwürde“ berichtet. Dass solche Aktionen auf den Widerspruch der Pro Familia treffen, verwundert nicht. Immerhin […] Es folgen weitere 2455 Zeichen.

Herr B. aus Trier schreibt am 1. Juli: Unter der Überschrift „Mit Kinderschuhen und Plastikembryos gegen die Abtreibung“ hat der TV am 15. Juni über die Aktionen des baden-württembergischen Vereins „Durchblick“ in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Trier der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) und dem „Trierer Bündnis für Lebensrecht und Menschenwürde“ berichtet. Dass solche Aktionen auf den Widerspruch der Pro Familia treffen, verwundert nicht. Immerhin […] Es folgen weitere 2445 Zeichen.

Lieber Herr A.,

lieber Herr B.,

vielen Dank für Ihre Zuschriften. Ihr Engagement gegen die Abtreibung in allen Ehren, aber so geht das doch nicht.

Dass zwei Menschen dasselbe denken, ist nicht ungewöhnlich. Dass zwei Menschen ihr Denken in ähnliche Worte fassen, kommt vor. Dass zwei Menschen jedoch zum selben Thema exakt gleichlautende Leserbriefe abfassen (jeweils knapp 2900 Zeichen, mit einer minimalen Abweichung von zehn Zeichen in der Formulierung „offensichtlich mit Billigung seines Chefs Bischof Ackermann“ / „mit oder ohne Billigung seines Chefs?“), das, tja, das wäre ein Wunder.

Ich bin kein Stochastiker, man müsste es einmal berechnen. Ist die Wahrscheinlichkeit größer, im Lotto sechs Richtige mit Superzahl abzuräumen? Oder dass Eintracht Trier die Deutsche Fußball-Meisterschaft gewinnt?

Wenn wir annehmen, dass es sich bei dem Doppler-Effekt in Ihren Leserbriefen nicht um Gedankenübertragung handelt, bleibt als Erklärung nur: Einer für alle, alle für einen. Im Mannschaftssport eine bewährte Taktik zur Stärkung des Teamgeists. Leserbrief-Autoren treten aber nicht als Mannschaft auf; hier spielt jeder für sich.

Andersherum: Wenn einer für alle schreibt, riecht das fatal nach Lobbyismus und hat nichts mehr mit Meinungsvielfalt zu tun, sondern mit Werbung – und die gehört in den Anzeigenteil.

Sie sind herzlich eingeladen, sich nach Lust und Laune in Leserbriefen zu äußern (sofern Sie nicht als Veranstalter oder Mitveranstalter von Aktionen auftreten, in redaktionellen Beiträgen zitiert werden und das Ganze in eigener Sache nachträglich noch einmal kommentieren möchten).

Ich bitte um Verständnis: Wir bleiben unabhängig und überparteilich, lassen uns nicht instrumentalisieren und lehnen ferngesteuerte Meinungskampagnen von Lobbyisten ab – egal in welcher Angelegenheit.

Beste Grüße!

Peter Reinhart

 

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