Der tiefere Sinn des Labenz

Alle Jahre wieder: 25. Mai, der Handtuch-Tag! Wie bitte, Handtuch-Tag? Und überhaupt, fragt Douglas Adams: Was soll das alles, was ist der Sinn des Lebens?

Lieber Douglas Adams,

diese Kolumne ist, posthum, Ihnen gewidmet. Ich denke, Sie hätten Spaß daran und hoffe, die Leserinnen und Leser des Volksfreunds auch. Für alle, die Douglas Adams (1952-2001) nicht kennen: Der Brite hat das Kultbuch „Per Anhalter durch die Galaxis“ geschrieben, ein Meisterwerk der Satire, irrlichternd zwischen Weltgeist und Zeitgeist, Wahnsinn und Wahrheit, Witzelsucht und Aberwitz.

Ein Handtuch sei „so ziemlich das Nützlichste“, was man auf einer Weltraum-Odyssee dabeihaben sollte, scherzte Adams. Sein Held Arthur Dent reist mit einem Handtuch als einzigem „Gepäckstück“ durch das Universum. Nach dem frühen Tod des Schriftstellers (Herzinfarkt im Fitness-Studio) riefen Literaturfreunde zum Gedenken an ihr Idol den 25. Mai als Towel Day (Handtuch-Tag) aus.

Die Frage aller Fragen beantwortet im Roman der Computer Deep Thought. Und zwar so:

„Na schön“, sagte Deep Thought. „Die Antwort auf die Große Frage …“ – „Ja …!“ – „… nach dem Leben, dem Universum und allem …“, sagte Deep Thought. – „Ja …!“ – „… lautet …“ – „Ja …!!! …???“ – „Zweiundvierzig“, sagte Deep Thought mit unsagbarer Erhabenheit und Ruhe. […] „Zweiundvierzig!“, kreischte Luunquoal los. „Ist das alles, nach siebeneinhalb Millionen Jahren Denkarbeit?“ – „Ich hab’s sehr gründlich nachgeprüft“, sagte der Computer, „und das ist ganz bestimmt die Antwort. Das Problem ist, glaub ich, wenn ich mal ganz ehrlich zu euch sein darf, dass ihr selber wohl nie richtig gewusst habt, wie die Frage lautet.“ – „Aber es handelte sich doch um die Große Frage! Die Letzte aller Fragen nach dem Leben, dem Universum und allem“, jammerte Luunquoal. – „Ja“, sagte Deep Thought in einem Ton, als ertrüge er es mit Freuden, mit solchen Idioten zu reden, „aber wie lautet sie denn nun?“ […] „Wenn ihr erst mal genau wisst, wie die Frage wirklich lautet, dann werdet ihr auch wissen, was die Antwort bedeutet.“

Und so weiter. Mehr verrate ich nicht. Sondern erzähle lieber von der Sprachmagie des Douglas Adams. Er erfand neue Wörter, und er gab alten Wörtern einen neuen Sinn – um Gegenstände oder Gefühle zu benennen, die namenlos sind. Daraus machte er mit Co-Autor John Lloyd ein Buch: „The Meaning of Liff“, später „The Deeper Meaning of Liff“.

Die deutsche Version von Sven Böttcher trägt den Titel „Der tiefere Sinn des Labenz“ (verlegt bei Rogner & Bernhardt) und listet wundersame Bedeutungen von „unbenutzten Wörtern“ auf, „die während ihres gesamten Daseins nichts weiter tun, als auf Schildern herumzuhängen und auf irgendwelche Orte zu deuten“. Zum Beispiel diese:

  • Trier, der: einer dieser kleinen Hunde, die einem das Hosenbein durchnässen, während man am Tisch sitzt und Kaffee trinkt.
  •  Auw, das: ein aufgeworfenes Linoleum- oder Teppichstück, das jeder mit den Worten kommentiert: „Wenn das nicht befestigt wird, stolpert bestimmt irgendjemand drüber und bricht sich das Bein“, bis nach zwei Jahren jemand darüber stolpert und sich das Bein bricht.
  • Bekond (Adj.): sich auffällig unauffällig verhaltend. Beschreibt das Verhalten von Prominenten, die viel Aufhebens darum machen, unerkannt ein Restaurant zu besuchen.
  • Daleiden (V.): in höchstem Maße unwillig sein, sich durch irgendetwas oder von irgendwem aus seinem Weltschmerz reißen zu lassen, insbesondere nicht durch Bemerkungen wie „Anderen geht es noch viel schlechter als dir“ oder selbstgekochtem Vanillepudding.
  • Heddert, das: ein locker fallendes Kleidungsstück aus Wolle, das bis zu den Knien reicht, mindestens drei Armlöcher hat und seine Entstehung der ebenso wohlmeinenden wie inkompetenten Tante des Trägers verdankt.
  • Hentern (V.): jemandem, der einen zu Recht kritisieren will, den Wind aus den Segeln nehmen, indem man ihn sofort dermaßen üppig mit Komplimenten überschüttet, dass er schon nach wenigen Sekunden nicht mehr weiß, was er eigentlich hatte sagen wollen.
  • Irsch, der: ein peinlicher Vollidiot, der sich für charmant hält.
  • Kasel, das: eine braune Käseblase, die gasartige Substanzen enthält und bevorzugt aus Hawaii-Toasts wuchert.

Was für ein Mumpitz, sagen Sie?! Mag sein. Zeigt aber, wie vergnüglich es ist, mit Sprache zu spielen. Der Handtuch-Tag erinnert uns daran.

Hurra und herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Veröffentlicht inAllgemein

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