Vom Pappenstil zum Pappelstiel

 

Eduard Pelzer aus Irrel schreibt zum Artikel „Nur noch mit Gelb oder Grün durch den Pott“ (TV vom 22./23. Dezember):

Hoppla, hoppla! Da lese ich: „Ab 1. Januar gelten härtere Abgasvorgaben für Autofahrer …“ Kann das sein? Ist so was nicht diskriminierend? Wie steht es da mit dem Persönlichkeitsschutz? Und überhaupt: Wo, wie, wann und durch wen soll der Abgastest ausgeführt werden? Wer verleiht mir die grüne oder gelbe Plakette? Und wo soll sie angebracht werden, etwa auf der Stirn? Und die Kosten?

 Fragen über Fragen. Ich stimme voll und ganz der Aussage der ADAC-Sprecherin zu: „Wir sind sehr für Umweltschutz, aber es muss im Rahmen der Verhältnismäßigkeit liegen.“

 Oder hat etwa der Druckfehlerteufel mal wieder für einen kleinen Spaß gesorgt: r statt n – das ist hier wohl die Frage.

 Lieber Herr Pelzer,

 vielen Dank für Ihre Mail, gut beobachtet: Natürlich werden nicht die Autofahrer auf Abgase getestet (igitt), sondern die Autos! Eine prächtige Stilblüte. Offenbar hat sich der Redakteur für einen Augenblick im Dschungel der Sprache verheddert und gedankenverloren das nächstbeste Exemplar der Spezies Lingua germanica stulta (vulgo: Dummdeutsch) gepflückt. Schön, dass Sie über den Lapsus lachen können.

 Verdrehte Buchstaben, verzwirnte Worte, verdrechselte Sätze: meist äußerst ärgerlich, manchmal zum Brüllen komisch. Zum Glück gelangen hohle Phrasen nicht allzu oft ins Blatt – vorbei an allen Kontrollen. Die meisten Verhacker, Vertipper, Verhunzer werden beim Bearbeiten der Texte und beim Korrekturlesen entdeckt. Fast ein Jammer. Wenn Sie wüssten, was Sie verpassen …

 Zum Beispiel die folgenden Schmankerl aus der Hexenküche unseres Lektorats, allesamt abgekocht kurz vor Redaktionsschluss und dem Publikum nicht schwarz auf weiß serviert; ich habe sie neu zusammengerührt und zu einer kleinen Geschichte verklebt, gewidmet dem Druckfehlerteufel, diesem hinterlistigen Bürschlein:

 Murphys Gesetz: Was schiefgehen kann, geht auch schief. Ausgerechnet in einem Kommentar über die Bekämpfung des Analphabetismus lässt sich der ansonsten so ausgebuffte Autor über die Rechtschreibwäche anderer Leute aus.

 Tja, man kriegt raus, was man reinstreckt, wie es im Volksmund heißt. Diese unumstößliche Weisheit gilt seit je für Monteure, die Lehrrohre verlegen. Leeres Geschwätz? Ach was, auf die Geschlicklichkeit kommt es an. Droben, am Schotterparklatz, nahe der Fachholschule. Und wenn erst der Landebetrieb Mobilität (LBM) einschwebt, sind die Baustellentouristen nicht weit. Was es da zu bestauen gibt!

  Noch mehr Informatikonen gefällig? Bitte sehr: Das Landschaftsbild am 50. Breitengrad ist von Wissen, Feldern, Wald und Windrädern geprägt. Viele Wanderwege führen schnurstracks durch die Mosel; einmal pitschnass geworden, tut der Wasserohrbruch gar nicht mehr weh. Mit solchen Quisquilien kennen sich Haueigentümer aus, vor allem jene, die in Hauhalten mit hoher Haunummer hausen!

  Hautsache, die Urlauber wachen mit Blick auf die Weinberge zu Füßen der Mosel auf, wer träumt nicht davon? Oder eispielsweise davon, sich bei einem süffigen Tropfen vom Stand der Froschung in der Kellerwirtschaft zu überzeugen? Prost!

 Was das kosten mag? Sicher kein Pappenstil, ähh, Pappelstiel, oder was? Papperlapapp, liebe Pappenheimer. Es haben sich schon ganz andere an derlei Wahlnüssen die Zähne ausgebissen, ganz besonders, wenn mehr als Menschen sich um geseelige Angelegenheiten kümmern.

 Was für ein Theater: Auf der Bühne geht es drunter und trüber. Nicht nur bei Prämieren. Alles hat seine Vor- und Nachtteile. Vielleicht wird ein erflogreiches Buch daraus, ein Beststeller gar?

 So oder so: Es ist an der Zeit, den Lektoren zu danken für ihr hohes Arrangement. Unermüdlich stöbern sie nach Fählern. Was wäre die Redaktion ohne sie? Ein trauriger Haufen von Wechsstabenverbuchslern.

 Lasset uns feiern, mit einem Riesensackhüpfen etwa. Alle sind eingeladen: der Innenmister, der Schuleiter und der Pastor, der bald seine erste Kapellenstelle antreten wird. Der Einritt ist frei, die Geränke sind inklusive.

Guten Rutsch, bis neulich!

Peter Reinhart

 

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