Der Charme des Schwarms

Heinz Juli aus Wittlich schreibt: Der Volksfreund hat sich in der Vergangenheit schwergetan, nachhaltig auf die negativen Folgen des Hochmoselübergangs hinzuweisen. Es ist hinreichend bekannt, dass die Ministerien mit Prognosen leichtfertig umgehen, die dann nicht eintreffen. Siehe Flughafen Hahn und Nürburgring-Desaster. Die vielen Leserbriefe zu diesen Formen der staatlichen Geldverschwendung und Schuldenmacherei beweisen doch, dass die Bürger nicht mehr mit der Politik einverstanden sind. Kurt Beck muss weg. Leider vermisse ich im TV den warnenden Finger. Es kann nicht sein, dass aufmerksame Leser die Arbeit einer Redaktion übernehmen.

Ich vermisse auch die Forderung nach der Rücknahme der Ökosteuer, die in den Jahren 2003 und 2004 von der rot-grünen Bundesregierung eingeführt worden ist. Haben Sie nicht den Mut, im Namen der Bürger gegen diese unnötige Steuer anzugehen?

Lieber Herr Juli,

vielen Dank für Ihre Anmerkungen und Anregungen. Leserbriefe gehören seit zweihundert Jahren zur Zeitung wie das Papier und die Druckerschwärze. Sie ergänzen, bereichern, korrigieren die veröffentlichte Meinung.

Das Prinzip ist verblüffend einfach: Zwei wissen mehr als einer, zehn mehr als zwei, hundert mehr als zehn. Und weil jeden Tag eine viertel Million Menschen den Volksfreund liest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass jemand unbekannte Fakten oder überraschende Gedanken beisteuert, die Journalisten bis dato womöglich nicht auf dem Schirm hatten. Wissenschaftler nennen dieses Phänomen: Schwarm-Intelligenz.

Wenn das Zusammenspiel von Zeitungsmachern und Zeitungslesern dazu führt, dass wir uns – Achtung: ein großes Wort – gemeinsam ein Stück näher an die Wahrheit heranrobben, ist das doch wunderbar!

Nur um es klarzustellen: Unsere Reporter haben in den vergangenen Jahren Hunderte (!) von Beiträgen zu Themen wie Hochmoselbrücke, Hahn und Nürburgring recherchiert, dabei selbstverständlich die dunklen Ecken ausgeleuchtet und oft genug „warnend den Finger gehoben“, wie Sie es nennen.

Freilich: Die Inszenierung von politischen Kampagnen ist nicht unser Auftrag. Wir beobachten, analysieren und kommentieren das Zeitgeschehen ohne Rücksicht auf Partei-Interessen. Was zählt, ist der gesunde Menschenverstand, und nicht, ob jemand die Dinge durch schwarze, rote, grüne, gelbe oder andersfarbige Brillengläser betrachtet.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Reinhard,

    zu Ihrer Antwort zum Leserbrief von Herrn Juli aus Wittlich folgende Bemerkung:

    Natürlich wäre es wunderbar, wenn Ihre Reporter gemeinsam mit der Bevölkerung bzw. der BI „Pro-Mosel“ besonders in Bezug auf den Hochmoselübergang und der daran anschließenden Trasse der B 50 neu an die Wahrheit heranrobben würden. Leider sind aber die meisten Beiträge Ihrer Reporter darüber nur im Sinne der Regierung geschrieben, so dass der Eindruck entsteht, dass durch Ihre Reporter nur einseitig berichtet wird. Haben sich Ihre Reporter die diversen Gutachten zeigen lassen und diese einem anderen unabhängigen Gutachter gezeigt? Gerade wegen der Desaster mit dem Nürburgring und Hahn sollten Ihre Reporter genauer hinter die Kulissen des Landesbetriebs Mobilität schauen und zum Thema Hochmoselübergang tie-fer bohren.

    Nur wenn auch Sie dies tun und das Bemühen der BI „Pro-Mosel“ um Aufklärung über die tatsächlichen Folgen unterstützen, werden Sie die Wahrheit herausfinden und wirklich warnend den Finger heben können, was bisher nicht geschehen ist.

    Sie schreiben: Sie würden keine Rücksicht auf Parteiinteressen nehmen. Doch schreiben Sie fast ausschließlich im Interesse der Parteien und Lobbyisten. Schauen Sie sich doch bitte noch mal die Artikel im Dossier Hochmoselübergang an.

    Denn wenn Sie richtig in alle Richtungen bezüglich Hochmoselübergang recherchieren, werden Sie auch erkennen, dass dieser mehr negative als positive Folgen hat, und Sie werden auch die Bedenken der Menschen rund um den Hochmoselüber-gang und die B 50 neu verstehen.

    Ich hoffe, im Interesse der Bürger, dass Sie auch jetzt noch, wo es den Anschein hat, dass der Hochmoselübergang nicht mehr gestoppt werden könne, noch gemeinsam mit der BI „Pro-Mosel“ für die Bevölkerung recherchieren und Fehler der Regierung aufdecken, um diesen Bau doch noch zu stoppen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Sabine Ehses

  2. Liebe Frau Ehses,

    in den vergangenen fünfzehn Jahren ist im Volksfreund zur Hochmoselbrücke so ziemlich alles gesagt worden. Und zwar: Pro und Kontra. Keine Kampagne für die eine oder die andere Seite. Keine Partei-Interessen. Keine Ideologie. Keine Lobbyisten. In einzelnen Beiträgen geht es womöglich mal stärker um die Sicht von Befürwortern, mal stärker um die von Gegnern, alle Artikel zusammen spiegeln jedoch, so finde ich, recht genau die teils erregt geführte Debatte.

    Es gibt Menschen in der Region, die das Projekt ablehnen – und es gibt Menschen, die das Projekt begrüßen. Die einen wähnen sich im Besitz der Wahrheit, die anderen aber auch. Beide Seiten kommen im Volksfreund zu Wort. In Nachrichten, Kommentaren, Reportagen, Leserbriefen. Die Zahl der brückenkritischen Beiträge überwiegt deutlich!

    Sieht man auch in dem Dossier, das einen kleinen Ausschnitt der Berichterstattung umfasst. Es zeigt die ganze Bandbreite der Diskussion. „Unternehmer warnen vor Aus“ – „Ausstieg ist möglich“ – „Gegner und Befürworter diskutieren online“ und so weiter.

    Selbstverständlich ist auch über das jüngste Gutachten berichtet worden, nachzulesen unter http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/mosel/aktuell/Heute-in-der-Mosel-Zeitung-Hochmoseluebergang-Neuer-Streit-um-Standsicherheit;art671,3026572

    Und so werden wir das auch in Zukunft handhaben: Wenn es etwas zu berichten gibt, tun wir das – unabhängig und überparteilich.

    Herzliche Grüße!
    Peter Reinhart

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