Satanische Schmutzhunde

Der anonyme Leser meint: Hmm, ich würde ja gern, aber ich traue mich nicht. Ein Leserbrief in der Zeitung, das wär’s. Mal so richtig vom Leder ziehen. Den Großkopfeten in der Politik die Meinung geigen. Und den Schreiberlingen vom Volksfreund eins auswischen. Aber mit vollem Namen zeichnen? O je, das könnte Ärger geben! Und was würden die Nachbarn denken! Also lieber nicht. Es juckt aber so in den Fingern. Ich kann’s ja mal versuchen und schicke was an den TV. Vielleicht bringen die es ja.
Lieber anonymer Leser,
besten Dank, dass Sie sich so viel Mühe machen und uns Tag für Tag beliefern. Mit mehr oder minder originellen Beiträgen über „ungehobelte Bauernknüppel“ zum Beispiel („Ein Bauer bleibt ein Bauer, auch wenn er sich mit ’nem Zylinder ins Bett legt“). Mit hübschen Fotomontagen, etwa der Collage, die kürzlich auf meinen Schreibtisch flatterte: eine Schafherde, kombiniert mit der Liste von Unterstützern des umstrittenen CDU-Politikers Michael Billen, garniert mit einem nicht zitierfähigen Spruch. Mitunter amüsiere ich mich über wüste Schweinigeleien, die bedenkliche Persönlichkeitsstörungen vermuten lassen und garantiert nie den Weg ins Blatt finden. Sei’s drum. Ihre Mühen sind ohnehin vergebens, wenn Sie nicht zu Ihrer Meinung stehen.
Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht. Und auch keine, die unter Fantasie-Namen eingereicht werden. So wie jener „Leserbrief“, dessen Verfasser – auf den ersten Blick seriös anmutend – neulich heftig auf den CDU-Mann Herbert Jullien eindrosch („Ich muss meiner Wut Luft machen …“). Unterzeichnet mit Hans Hoffmann und einer Adresse in der Region. Derlei überprüfen wir, und siehe da, einen Hans Hoffmann kennt unter der angegebenen Anschrift niemand. Ein dreister Versuch, unter falscher Flagge segelnd ein Pamphlet in den Volksfreund zu schmuggeln und eine Breitseite gegen einen missliebigen Zeitgenossen abzufeuern.
Schade, warum solche Betrugsversuche?
Nur Mut! Sie dürfen Ihr Herz ausschütten, Sie dürfen schimpfen, Sie dürfen kritisieren, was immer Sie wollen (innerhalb des gesetzlichen Rahmens, versteht sich). Aber nicht anonym.
Noch eins: Wenn Sie schon so viel Zeit darauf verwenden, seitenlange Tiraden gegen diese Zeitung („gottesverwerfliches Drecksorgan“) zu tippen und beispielsweise dem stellvertretenden Chefredakteur („totaler Verbrecher und satanischer Schmutzhund“) zu beweisen versuchen, dass er „verflucht“ und „unwürdig“ und „überflüssig“ ist, tja, dann würde es selbigen schon beruhigen, wenn er wüsste, wem er die offenbar dringend benötigte ärztliche Hilfe angedeihen lassen kann.
Eine Ausnahme? Weit gefehlt, nur ein winziger Ausschnitt aus dem Panoptikum an skurrilen Zuschriften, die unablässig in der Redaktion eintrudeln und in denen – uns leider unbekannte – Menschen grantelnd, geifernd, giftend über Gott und die Welt und die Politiker und den Volksfreund und weißnichtwas herfallen. Das, lieber anonymer Leser, haben Sie doch gar nicht nötig. Bekennen Sie sich!
Schöne Grüße!
Peter Reinhart

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1 Kommentar

  1. interessant! ich denke, das der liebe gott die verfasser kennt. menschen aus der eifel sind dem himmel doch so nah, halleluja, da ist es nur eine frage der zeit bis man sich zu gebener zeit wieder sieht und aussprechen kann.

    der hinweis auf des verfassers nicht nötigung könnte den verfasser das leben kosten! gerade auf dem weg zum arzt zwecks therapiegespräch, von einer horde wilder bauern abgegriffen zu werden, um sich ein blutiges näschen zu holen wünscht man nicht einmal seinen parteifreunden. solche personlichkeitsstörenden, eifelländischer versuche der selbstjustiz sind an der tagesordnug, glauben sie mir, die könnten gesundheitssystemgefährdende spätfolgen mit sich bringen die man sich als armer bewohner der eifel kaum leisten kann.

    beipflichten kann ich ihnen allerdings hinischtlich des ausdruck. wenn man geschenke verteilt sollte man die nett verpacken, und wenns nach dem öffnen peng macht ist die freude doppelt groß

    lg

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