Quacksalber und Scharlatane

M. K. [Name der Redaktion bekannt] schreibt: Ihr „Werbebeitrag“ vom 14. Januar hat mich regelrecht schockiert. Sie empfehlen perfekte Gesundheit durch eine „seriöse Maharishi-Kur“, die bis zu 4000 Euro kosten kann. Da ich elf Jahre unter anderem in Indien arbeitete und der bislang einzige Europäer bin, der dort Vorträge hält über Ayurveda, empört mich der Unfug, der hier verbreitet wird, umso mehr. [Es folgen Ausführungen über Prakruti und Vikruti, Pita und Vata, Dosha und anderes mehr. Das Schreiben ist als Leserbrief ausgewiesen, unterzeichnet mit „Prof. (h.c.) M. K.“ sowie Adresse und einer Lektüre-Empfehlung; abgegeben worden ist es im Service-Center des Volksfreunds in Schweich.]
Lieber Herr K.,
vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Medizin und gesundes Leben, Wohlbefinden und Fitness interessieren jeden Leser, jeden Fernsehzuschauer, jeden Radiohörer. Entsprechend ausführlich berichten die Medien: über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Therapie-Ansätze bei den großen „Volksseuchen“, Tipps zur Vorbeugung gegen Diabetes oder Herzinfarkt, alternative Heilmethoden, gesundheitspolitische Entscheidungen und so weiter.
Das Ziel: präzise und wahrheitsgetreu informieren und komplizierte Sachverhalte aus dem Wissenschafts-Jargon in eine Sprache übersetzen, die allgemein verständlich ist.
Recherche und journalistische Sorgfalt sind grundsätzlich immer gefordert, ganz besonders jedoch bei Medizin-Themen. Eine Falschmeldung kann fatale Konsequenzen haben, womöglich geht es sogar um Leben und Tod. Im Pressekodex, dem Grundgesetz der deutschen Medien, heißt es dazu (Ziffer 14): „… ist eine unangemessen sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte. Forschungsergebnisse, die sich in einem frühen Stadium befinden, sollten nicht als abgeschlossen oder nahezu abgeschlossen dargestellt werden.“
Nur die wenigsten Journalisten sind vom Fach, somit stets auf die Einschätzung von Experten angewiesen. Deren Diagnosen, das kommt erschwerend hinzu, weichen oft genug voneinander ab. Beispiel: die sogenannte Schweinegrippe. Impfen ja oder nein? Drei Ärzte, vier Meinungen. Wir versuchen, alle Seiten so seriös und objektiv wie möglich im Volksfreund darzustellen.
Tja, und täglich flattern Berichte über angeblich Wunder wirkende Medikamente ins Haus. Und Pressemitteilungen von Pharma-Unternehmen, die ihre sagenhaften Produkte anpreisen. Und Leserbriefe von Autoren, die sich als Spezialisten von Weltruf vorstellen und ganz eigentümliche Thesen und Therapien propagieren, die zumeist von der Lehrmeinung abweichen – und sich nicht überprüfen lassen.
All das macht argwöhnisch, oft zu Recht, wie die Recherchen in solchen Fällen zeigen. Ein akademischer Ehrentitel etwa, verliehen von einer obskuren „Universität“ in Ostasien, stärkt nicht eben das Zutrauen in die Verlässlichkeit des Informanten. Und wenn dann auch noch um zwei Ecken ein selbst ernannter Menschheits-Erleuchter ins Spiel kommt, der sich als Professor, mehrfacher Doktor, Master, Sir und Ritter feiern lässt und der Dekan einer medizinischen Fakultät eben jener „Universität“ gewesen sein will, schrillen alle Alarmglocken. Nichts für ungut, aber Gurus, Quacksalbern und Scharlatanen bietet der Volksfreund kein Forum.
Viele Grüße!
Peter Reinhart

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