Blitzer gegen Flitzer

Ernst Cleven aus Meisburg in der Vulkaneifel schreibt zur Ausgabe vom 28. Mai: Da finde ich heute Morgen in der „Dauner Zeitung“ auf Seite 14 wieder einen Bericht über Unfälle in der Region. Wie inzwischen beinahe an jedem Morgen. Bei aller gebotenen journalistischen Neutralität gehe ich davon aus, dass auch der TV diese so häufigen und häufig so schlimmen Unfälle bedauert. Wie aber passt da die gleich auf der nächsten Seite unter „Was? Wann? Wo?“ stehende Ankündigung der Radarkontrollen? Getreu der Devise: Bleifuß rauf! Vorsicht Radarfalle! Bleifuß runter und lächeln! Uuuuuund – wieder Bleifuß rauf! Das passt doch irgendwie nicht zusammen! Ist ja schon beinahe böse – diese Nachbarschaft und … überhaupt!
Vielleicht aber muss ja die Polizei ihre Kontrollen in der Zeitung ankündigen (wie merkwürdig!). Dann vielleicht aber könnte der TV um der Chronologie willen auf der„Was? Wann? Wo?“-Seite die „Radarkontrollen“ VOR die „Notdienste“ stellen.
Lieber Herr Cleven,
vielen Dank für Ihre Hinweise. Jeder Unfall ist einer zu viel, zumal wenn Menschen zu Schaden oder gar zu Tode kommen. Darüber zu berichten, ist traurige Pflicht.
Unfälle werden von vielen Menschen registriert, die in Staus stehen, die Sirenengeheul hören, die Polizei- und Rettungswagen oder -hubschrauber sehen. Sie wollen wissen, was sich ereignet hat. Wir schreiben es auf, wir bilden es ab, wir erklären es. Oft ist dann von tragischer Verstrickung die Rede, von unschuldigen Opfern, von Leichtsinn, Verantwortungslosigkeit, Selbstüberschätzung. Psychologen sagen, dass die drastische Darstellung von Unfällen in den Medien notorische Raser bekehrt – vielleicht.
Somit hat die Berichterstattung im Idealfall einen pädagogischen Effekt: aufklären, warnen, mahnen. Wenn’s wirkt, wäre manche Meldung wie „Morgens Führerschein, abends Unfall“ (Ausgabe vom 6. Juni) überflüssig. So viel zur journalistischen Arbeit.
Zu den kontrovers diskutierten Methoden der staatlichen Verkehrserziehung gehören Geschwindigkeitskontrollen. Für die einen Schikane und Wegelagerei, für die anderen ein probates Mittel der Abschreckung.
Blitzer gegen Flitzer – das hilft, sagt die Polizei. Sie kontrolliert ohne Ansage, sie kontrolliert mit Ansage. Das Motto: Seht her, wir sind da, wir schützen euch, wir erwischen euch.
Es gibt Untersuchungen, nach denen die Unfallgefahr aufgrund der Bekanntgabe von Radarkontrollen abnimmt. Genau darum geht es, wenn der Volksfreund in der Rubrik „Was? Wann? Wo?“ die Standorte nennt – und nicht etwa darum, potenzielle Raser zu warnen. Wenn sich nur ein Unfall vermeiden lässt, hat sich die Veröffentlichung gelohnt.
Herzliche Grüße!
Peter Reinhart

Veröffentlicht inAllgemein

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1 Kommentar

  1. Natürlich gibt es Blitzer die sinnvoll erscheinen, Insbesondere vor Schulen, Spielplätzen oder innerhalb von Wohngebieten.
    Auf solche Punkte sollte jedoch der Schwerpunkt gelegt werden. Erwischt man hier einen Temposünder ist der Effekt letztendlich viel effektiver als die Geldabzockerei auf großen Schnellstraßen.
    Als sinnvolle Erziehungsmethode sollte man sich gut überlegen, wo man Blitzer einsetzt.

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