Klare Regeln

Hans-Joachim Stief aus Gerolstein schreibt: In einem Leserbrief (TV vom 6./7. September) beschäftigt sich Josef Bach mit Oskar Lafontaine. Die Zuschrift zeichnet sich aus durch üble Hetztiraden („Versager, Abtrünniger, Schwätzer, bei einem kurzen Augenblick der Unachtsamkeit zubeißende Schlange“) ohne jeden Sachbezug. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Leserbrief verbietet sich.
Bemerkenswert scheint mir der Umstand, dass in regelmäßigen Abständen die Ergüsse des Herrn Bach veröffentlicht werden ohne jede Anmerkung, dass er Mitglied der CDU und Bürgermeister von Birresborn ist sowie Mitglied im VG-Rat Gerolstein und als Erster Beigeordneter den CDU-Bürgermeister Matthias Pauly vertritt.
Dagegen möchte ich Sie auf den Umstand hinweisen, dass ein sachbezogener Leserbrief meinerseits zu einem brisanten Interview des Gerolsteiner Stadtbürgermeisters nicht veröffentlicht wurde. Ihr Redakteur Marcus Hormes begründete dies damit, dass ich als Mitglied einer freien Wählergruppe im Gerolsteiner Stadtrat zu parteiisch sei und der TV nicht für den Wahlkampf zur Verfügung stünde.

Lieber Herr Stief,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Warum wird der eine Leserbrief veröffentlicht und der andere nicht? Eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Hier die wichtigsten Kriterien:

  • Inhaltlich: im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, nicht beleidigend, nicht radikal, nicht zu Straftaten aufrufend, keine unhaltbaren Tatsachenbehauptungen enthaltend.
  • Formal: maximal 60 Druckzeilen, in Ausnahmefällen bis zu 80 Druckzeilen. Möglichst viele Leserinnen und Leser sollen zu Wort kommen. Daher setzen wir Grenzen – nicht nur bei den Umfängen, sondern auch bei der Frequenz: Zuschriften vom selben Autor werden höchstens alle sechs bis acht Wochen veröffentlicht. Anonyme und offene Briefe sind tabu.
  • Es ist zu unterscheiden zwischen Leserbriefen auf einer „durchlaufenden“ Seite (weil sie sich auf Artikel beziehen, die in allen zwölf Ausgaben erschienen sind) und Leserbriefen, die „nur“ in den Lokalteilen abgedruckt werden, weil sie Reaktionen auf lokale Artikel sind, die – zum Beispiel – lediglich in der Gerolsteiner Ausgabe standen.

Unsere Reporter schreiben über die Arbeit der kommunalen Parlamente, greifen Tag für Tag aktuelle Themen auf. Sie recherchieren, sie fragen die Betroffenen vor Ort. Sie interviewen und zitieren die Volksvertreter in den Räten der Städte, Kreise und Gemeinden, die Parteifunktionäre und die Experten der Verwaltungen. Mit anderen Worten: Wer auf kommunaler Ebene etwas bewegt, der „kommt vor“ im TV und hat Gelegenheit, seinen Standpunkt mitzuteilen. Um Wahlkampf und gesteuerte Kampagnen zu vermeiden, gilt die Regel: keine Leserbriefe von Kommunalpolitikern zu lokalen Themen, die sie selbst mitgestalten.
Was bedeutet das mit Blick auf Ihre Frage? Die Zuschrift von Herrn Bach erfüllt die inhaltlichen und formalen Anforderungen. Er hat ein bundespolitisches Thema aufgegriffen. Er hat in diesem Jahr zweimal geschrieben und im vergangenen Jahr viermal. Alles in Ordnung also. Das Bekenntnis zur Partei ist nicht verpflichtend, allerdings gebietet es die Fairness, eine mögliche Funktionärs-Tätigkeit offenzulegen – damit der neutrale Leser Bescheid weiß.
Viele Grüße!
Peter Reinhart

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.