Deutsche Sprache, schwere Sprache

Bruno Loosen aus Konz schreibt: Ich bin seit über 50 Jahren TV-Abonnent und erlaube mir folgenden Hinweis. Sie schrieben in der Zeitung kürzlich von einem „IT- Service“. Was ist das? Ich kann mir unter der Abkürzung „IT“ gar nichts vorstellen. Auch der Begriff „Call Center“ sagt mir nichts. Es wäre sehr informativ, wenn „meine“ Zeitung Abkürzungen in Klammern ausschreiben und die Angaben erklären würde.
Lieber Herr Loosen,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Sie haben recht: In der Berichterstattung über die geplante Schließung von Standorten der Post und der Telekom in Trier kam allerlei Fach-Chinesisch vor, das nicht hinreichend erklärt worden ist. IT bedeutet Informationstechnik und ist ein Oberbegriff für alles, was mit Computern und elektronischer Datenverarbeitung zu tun hat. Die Post AG nennt ihre Tochterfirma „IT Service GmbH“. Die Abkürzung stammt aus dem Englischen, ebenso wie das „Call Center“, übersetzt etwa „Telefon-Beratungszentrum“.
Wie andere Anglizismen sollen auch diese wohl von der Weltläufigkeit der ehemaligen Staatsbetriebe künden. Dass viele Deutsche nur Bahnhof verstehen, wenn die Post für ihr „Stampit Business“ (Stemple-es-Geschäft) wirbt, ihren „Full Service“ (volle Dienstleistung) anpreist oder die „Mailingfactory“ (Brief-versende-Fabrik), scheint die „Global Player“ (weltweite Spieler) wenig zu interessieren. Selbst wenn sie, wie die Chefs der Telekom, von „Corporate Responsibility“ (Verantwortung der Firma) schwafeln oder einem „Code of Conduct“ (Leitbild), in dem der „T-Spirit“ (T-Geist) die Kunden zu Partnern erklärt. Ganz zu schweigen von „Flatrates“ (Pauschalgebühren), „Highspeed“ (Hochgeschwindgkeit) und all den anderen Errungenschaften von „T-Home“ und „T-Mobile“. Deutsche Sprache, schwere Sprache!
Derlei prasselt täglich auf uns herein. Aufgabe der TV-Redakteure ist es, unverständliche Abkürzungen und Fremdwörter zu vermeiden oder zu übersetzen und es den Lesern so einfach wie möglich zu machen. Also:

  • keine (unbekannten) Kürzel verwenden, schon gar nicht in Überschriften, und wenn es nicht anders geht, dann mit entsprechender Erklärung;
  • keine Geheimcodes, die nur Eingeweihte verstehen;
  • keine Anglizismen, kein „denglisches“ Kauderwelsch.

P.S.: Schicken Sie doch mal eine „Fun Card“, um Ihre Lieben zu grüßen. Wo es die gibt? Vielleicht weiß das ja die „Customer Service Center GmbH“ der Post. Fragen Sie einfach nach dem „Quality Call“, und Sie erhalten „professionelles Customer Relationship Management, von klassischen Call-Center-Services bis zur kompletten Begleitung des Kundenlebenszyklus“. Wenn es mit letzterem vorbei ist, lohnt ein Blick auf den „Postadress clean“ (früher: Verstorbenendatei). Da geht die Post ab…
Herzliche Grüße!
Peter Reinhart

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