Happy Aua oder: Speak German!

Erhard Mentges aus Trier meldet sich von Zeit zu Zeit zum Thema „Anglizismen“. Sein jüngstes Fundstück ist die „High Forest Rallye“ in Hermeskeil: Bei der Lektüre des Berichts ist mir fast die Brille von der Nase gefallen. Was soll das? Die Bezeichnung „Hochwald“ ist dem Autor doch bekannt! Beim Lesen solch unnötiger Anglizismen kommt einem der Verdacht, dass der Schreiber eine Meise hat. Warum spricht er nicht einfach von der „Rallye im Hochwald“?
Lieber Herr Mentges,
vielen Dank für Ihre E-Mail (hoppla, Anglizismus!): für Ihre elektronische Post. Wo befinden wir uns, wenn der Human Ressources Manager den City Call auf seinem Handy beendet und am Service Point nach dem Rail&Fly-Ticket fragt? Klar: in Deutschland. „Haben wir das wirklich nötig: all diese Anglizismen?“, fragt Wolf Schneider (82), Autor, Journalist und Gründer der Aktion „Lebendiges Deutsch“, in seinem neuen Buch „Speak German“. Die Antwort gibt er selbst: „Eine große Sprache – wenn sie noch dazu unsere Muttersprache ist – zu vernachlässigen, sie zu beschädigen, sie gar preiszugeben, ist eine Sünde.“ Wohl wahr.
Schneider wettert gegen alberne Anglizismen wie „Anti-Aging“ oder „Customer Relationship“, wohl wissend, dass 60 Prozent der Deutschen kein Englisch verstehen. Eine Hexenjagd gegen die grassierende Anglo-Manie wäre jedoch weltfremd, meint der Sprachpapst, und manchen knackigen Import wie „Job“ oder „Sex“ findet er gut. Sprachhüter wie Schneider werben dafür, pseudo-internationale Peinlichkeiten zu verbannen und durch deutsche Wörter zu ersetzen. Der Versuch ist löblich. Ob sich allerdings „Schnellkost“ statt „Fast Food“ oder „Klapprechner“ statt „Notebook“ durchsetzen, ist fraglich.
Die Redakteure des TV bemühen sich, englische Vokabeln zu vermeiden – und besonders jenes Sprachgulasch, das als „Denglisch“, „Engleutsch“ oder „Germeng“ bezeichnet wird. Eine tägliche Herausforderung! Mitunter ist die Nennung des Original-Begriffs unvermeidlich. So wie im vorliegenden Fall. Die Motorsport-Veranstaltung in Hermeskeil heißt offiziell „High Forest Rallye“. Unser Reporter hat diesen Titel erwähnt und sogleich übersetzt. Er hat alles richtig gemacht.
Derlei modischer Anglo-Firlefanz begegnet uns ständig: „Happy Mosel“, der „Vulkanbike-Trailpark“ – die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Ein besonderer Knüller, zuletzt während der Fußball-Europameisterschaft wochenlang in aller Munde, ist das „Public viewing“: volksfestartige Versammlungen von feierwütigen Fans, die sich auf Großbildwänden die Übertragung von Spielen ansehen. Amerikaner sprechen von „Public viewing“, wenn eine Leiche aufgebahrt wird… In diesem Sinne: Happy Aua!
Herzliche Grüße!
Peter Reinhart

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