Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Thomas Müller aus Trier schreibt: Es gibt nicht allzu viele Menschen in unserer Gesellschaft, die ihr Leben auf die Hilfe für Schwache und Bedürftige ausgerichtet haben. Neben den Berufen in den üblichen sozialen Bereichen, für die der Sozialstaat die Mittel stellt, gibt es allerdings noch eine kleine Schar von Personen, die täglich ihr unermüdliches Engagement und ihre Kreativität einsetzen, um zusätzliche Mittel in Form von Spenden und Zuwendungen für die „Verlierer“ unserer leistungsbezogenen Gesellschaft zu beschaffen. Petra Moske ist eine von jenen, die wahrlich als Vorbild dienen können.
Der Trierische Volksfreund hat in vielen Artikeln über ihre soziale Tätigkeit berichtet, seltsamerweise nie auf der Titelseite, nie als Aufhänger der Ausgabe. Das hat sie nie geschafft bis zu jener Schlagzeile am Donnerstag letzter Woche. Und das ist mehr als bezeichnend, da ist eine Person, die jahrelang und unermüdlich für die Benachteiligten und Schwachen gewirkt hat, in vielen tausend Arbeitsstunden, häufig ehrenamtlich, und wird jetzt durch diesen schmierigen Sensationsjournalismus demontiert.
Oh, wird der den Artikel verfassende Journalist jetzt bemerken, das ist die Informationspflicht einer Zeitung. Und ich entgegne, die schreibende Zunft kennt die Mittel und Wege ganz genau, wie eine Person auf subjektive Art und Weise dargestellt werden kann. Ich erinnere mich nicht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, dass jemals ein Kapitalverbrechen, und ich meine Mord, Raubüberfall, Vergewaltigung und so weiter innerhalb der Region, in einer solchen sensationsgierigen Aufmachung auf Seite eins dargestellt wurde. Das hat Petra Moske locker geschafft. Ohne sich persönlich zu bereichern. Und mit der Gewissheit, dass man sich als Vorbild in unserer Mediengesellschaft keine Fehler leisten darf.

Lieber Herr Müller,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Ich kann verstehen, dass der Fall Sie geschockt hat. So empfinden wohl die meisten Menschen, die Frau Moske kennen und schätzen – darunter auch einige Redakteure dieser Zeitung. Bei der Berichterstattung geht es aber nicht um persönliche Beziehungen, Wertungen und Verdienste, sondern um nüchterne Fakten. Dazu einige Anmerkungen:

  • Wir haben das Verfahren vor der 10. Strafkammer des Koblenzer Landgerichts im TV sachlich dargestellt und die Hintergründe seriös erklärt – mit klarem Hinweis darauf, dass die Vorgänge bei der Johanniter-Unfall-Hilfe nichts mit dem Engagement von Frau Moske für den Verein „Nestwärme“ zu tun haben. Ist das „schmieriger Sensationsjournalismus“?
  • Der Trierische Volksfreund organisiert seit 1998 große Benefizaktionen für Projekte in der Region. In der Adventszeit des Jahres 2000 haben wir in einer großen Kampagne zur Unterstützung für „Nestwärme“ aufgerufen. Unsere Leser spendeten mehr als 350?000 Euro. Das war der Grundstein für die Arbeit des Vereins. In Hunderten von Artikeln haben wir über „Nestwärme“ berichtet – selbstverständlich auch auf Seite eins. Die Verdienste von Frau Moske sind dabei oft herausgestellt worden. Ist das „schmieriger Sensationsjournalismus“?
  • Der TV ist die Zeitung der Region. Was in der Region besonders wichtig ist, gehört auf die Titelseite. Die positiven Ereignisse, aber auch die negativen. Die großartige „Nestwärme“-Arbeit der vielfach ausgezeichneten „Vorbild-Frau“ Petra Moske etwa, aber auch das Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Betrug. Würden wir derlei weglassen und nur die Erfolge bejubeln (oder umgekehrt), wäre unsere Glaubwürdigkeit rasch ruiniert. Ist das „schmieriger Sensationsjournalismus“?
  • Das Verfahren gegen Frau Moske und andere Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe hat die Staatsanwaltschaft angestrengt – nicht der TV. Wir recherchieren und verbreiten Nachrichten, aber wir „machen“ sie nicht. Ist das „schmieriger Sensationsjournalismus“?

Herzliche Grüße!
Peter Reinhart

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