Das Grundgesetz

Ingrid Gouin aus Trier schreibt: Redakteure sollen berichten, nicht bewerten! Diesen journalistischen Grundsatz vernachlässigt der TV mehr und mehr. Ich habe zunehmend den Eindruck, dass das Prädikat „überparteilich“ sich zur Farce entwickelt und sich die Redakteure als sechste Kraft im Trierer Stadtrat entwickeln, samt vorgezogenem Wahlkampf. Dabei ergibt sich für mich die Frage, wie lange ich diesen Trend zur einseitigen Sensationsmache als Abonnentin noch akzeptiere.

Liebe Frau Gouin,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die Nachricht ist heilig, die Meinung ist frei. Dieses alte Motto der „New York Times“ gilt noch immer, es ist eine Art „Grundgesetz“ für seriöse Journalisten. Die Aufgabe: berichten und bewerten!

Fakten bilden das inhaltliche Gerüst jeder Zeitung. Eine Nachricht (Meldung, Bericht) beantwortet sachlich und möglichst objektiv die sogenannten W-Fragen: Wer? Wann? Was? Wo? Wie? Warum?

Die Interpretation der Fakten, die Meinung, ist subjektiv. Leitartikel, Kommentare und Glossen spitzen bewusst zu, um den Lesern einen Anreiz zur eigenen Meinungsbildung zu geben – und sich Gedanken über das zu machen, was beispielsweise Politiker vollmundig versprechen und oft nicht halten. Eine Zeitung, in der nicht kräftig debattiert wird (dazu zählen auch Leserbriefe!), wäre ziemlich langweilig.

Aus Umfragen wissen wir: Die große Mehrheit der TV-Leser schätzt Kommentare, weil sie oft neue Perspektiven eröffnen. Und immer wieder wird an die Redaktion der Wunsch herangetragen, noch mehr zu kommentieren.

Die Bewertung von Themen gehört zweifellos zu den Aufgaben von Journalisten. Allerdings: Nachricht (objektiv, „heilig“) und Kommentar (subjektiv, „frei“) sind strikt zu trennen. Das machen wir im Trierischen Volksfreund durch unterschiedliche Layouts deutlich.

Wir verbreiten Nachrichten, wir überbringen sie, aber wir „machen“ sie nicht, sind nicht der Urheber. Und: Wir „machen“ keine Politik, wir berichten darüber – unabhängig, überparteilich und kritisch-distanziert. Wir sind, um es an einem Beispiel festzumachen, weder das Zentralorgan der CDU noch das Kampfblatt der SPD. Sondern bemühen uns, das Zeitgeschehen aufzuarbeiten und in Kommentaren – wie oben geschildert – zur Meinungsbildung anzuregen und zur Meinungsvielfalt beizutragen.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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