Die Meinung ist frei

Klaus Lorscheider aus Rascheid schreibt: Die Auswahl der Leserbriefe provoziert mich seit längerer Zeit, weil sie an Sensibilität zu wünschen übrig lässt. Nun ist wieder mal der Herr Berens aus Rommersheim abgedruckt worden. Nicht nur die Vielzahl seiner Schmähschriften, sondern deren einseitige Inhalte gehen oft am Sinn dieser Rubrik vorbei. Sie bieten ihm eine Plattform, die Sie bei politischen Beiträgen wesentlich besser sortieren. Nicht nur mir ist klar, dass dieser Schreiber sich als Besserwisser und Superreformer selbst klassifiziert. Bitte eifern Sie in punkto Einseitigkeit nicht Ihren Kollegen auf den politischen Seiten nach, die uns mit rot gefärbten Artikeln überschütten, denn ich will die SPD auch nicht durch „Passiv-Teilnahme“ unterstützen.

Lieber Herr Lorscheider,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Weit mehr als tausend Leserbriefe werden pro Jahr im TV veröffentlicht – Tendenz steigend. Alle eingesandten Beiträge abzudrucken, ist leider nicht möglich. Rund 75 Prozent kommen ins Blatt. Klassische Gründe für die Ablehnung: zu lang, nicht mehr aktuell, Thema in anderen Leserbriefen bereits umfassend von allen Seiten beleuchtet, offener Brief, nicht überprüfbare Tatsachenbehauptungen, beleidigend, extreme Meinung, Handschrift unleserlich, Partei-Kampagne, werblich und anderes mehr.

Grundsätzlich gilt: Die Meinung ist frei. Die Veröffentlichung ist nicht davon abhängig, ob eine bestimmte politische oder weltanschauliche Position vertreten wird, ob die Zuschrift Kritik oder Zustimmung enthält. Die veröffentlichten Leserbriefe spiegeln die Bandbreite aller eingereichten Beiträge wider: eine enorme Vielfalt der Meinungen. „Da gibt es die Linken und die Rechten, es gibt Tierfreunde, Biomüll-Skeptiker, Regionalverkehrs-Spezialisten, die Herbstdichter, Aphoristiker, Spaßmacher und ewigen Querdenker“, heißt es im „Praxishandbuch Lokaljournalismus“ über die „Spezies“ der Leserbrief-Autoren.

Etwa drei Viertel schreiben regelmäßig – und kommen im Schnitt höchstens alle zwei Monate zu Wort. Wir achten sehr auf Abwechslung. Beispiel: Der von Ihnen genannte Josef Berens ist im vergangenen Jahr sechs Mal abgedruckt worden.

Ziel ist es, den TV-Lesern ein Forum zur Kommentierung des öffentlichen Lebens zu bieten. Die einen stimmen zu, die anderen lehnen ab. Die einen sind dafür, die anderen dagegen. Darin unterscheiden sich Leserbriefe nicht von Kommentaren der Redakteure und Korrespondenten. Jeder einzelne steht für ein Pro oder ein Kontra, jeder einzelne befürwortet politische Entwicklungen oder bemängelt sie. In der Summe gewährleistet die Vielfalt der Meinungen die Überparteilichkeit der Zeitung.

Beste Grüße!
Peter Reinhart

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