Kein Bakschisch

Herr M. aus Irsch (Kreis Trier-Saarburg) schreibt zur Titelseite vom 4. Januar: Gezeigt wird ein Foto mit der Überschrift „Kenia – Ein Land in Aufruhr“. Der Text zum Foto suggeriert, dass ein Mann sich durch einen Sprung vor dem Feuer rettet. Meiner Meinung nach ist offensichtlich, dass es sich hier um ein gestelltes Foto oder, noch schlimmer, um eine Foto-Montage handelt. Es hat nichts mit verantwortlichem Journalismus zu tun, wenn man in Krisengebieten durch Zahlung von Bakschisch reißerische Aufnahmen stellt. Noch schlimmer ist es, dies mit Foto-Montagen zu tun und den Leser zu betrügen.

Lieber Herr M.,

wir haben Ihren Hinweis intensiv geprüft und mit den Kollegen der deutschen Presse-Agentur (dpa) erörtert, vor allem Ihren Eindruck, das von dpa aus Nairobi gelieferte Bild sei montiert oder gestellt. Alexander Becher, Chef vom Dienst bei der Agentur, teilt dazu mit: „Die Frage nach einer Montage kann ich eindeutig verneinen. Es ist eine klare Regel bei dpa, dass Montagen im Bildfunk nur mit eindeutiger Kennzeichnung gesendet werden. Und das auch nur in Ausnahmefällen wie beispielsweise einem Architekten-Entwurf, der ein noch nicht realisiertes Gebäude in seiner geplanten Umgebung fotorealistisch darstellt.

Selbstverständlich montieren wir keine Bilder von aktuellen Ereignissen. Ebenso gehe ich davon aus, dass Kim Ludbrook, Chef-Fotograf der EPA [European Pressphoto Agency, Partner-Agentur von dpa] in Afrika, seine Bilder nicht stellt. Es bleibt natürlich in solchen Situationen immer die Frage: Wäre der Mann auch gesprungen, wenn in dem Moment keine Fotografen in der Nähe gewesen wären? Obwohl hier die Grenzen verschwimmen mögen, ein Punkt wird nicht überschritten: Fotografen einer Nachrichtenagentur nehmen keinen Einfluss auf das Geschehen mit einem Satz wie ‚Ich brauche ein spektakuläres Bild, kannst Du bitte mal vor meiner Kamera springen!‘ Erst recht wird kein ‚Bakschisch‘ gezahlt.“ So weit die Stellungnahme von dpa. Das Foto ist nach allem, was wir wissen, also „echt“. Zudem gilt: Wenn wir im Trierischen Volksfreund Foto-Montagen abdrucken, wird dies ausdrücklich vermerkt – getreu den publizistischen Grundsätzen des Deutschen Presserats.

Eine Ungenauigkeit enthält der kurze Text, der zu dem Bild auf der Titelseite des TV veröffentlicht worden ist. Der Fotograf Kim Ludbrook beschreibt das Motiv im englischen Original so: „An Orange Democratic Movement supporter jumps over a fire made from burning tyres in the streets of Nairobi, Kenya, 03 January 2008. Post election violence in the East African country has left hundreds of people dead with growing fears of further inter-tribal violence a possibility.“

Die Redaktion des TV hat weitere Meldungen über die Lage in Kenia ausgewertet und auf Seite eins getextet: „Mit Gewalt gegen Demo: In den brennenden Straßen Nairobis rettet sich ein Mann durch einen Sprung vor dem Feuer. Mit einem massiven Polizeieinsatz hat die Regierung in Kenia gestern eine geplante Großkundgebung der Opposition verhindert.“

Richtig wäre demnach: Der abgebildete Mann hat sich nicht vor dem Feuer gerettet, er ist über brennende Reifen gesprungen. Sollte die Formulierung zu Irritationen geführt haben, bitte ich um Entschuldigung.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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