Konfuzius sagt

Herr K. aus Trier ärgert sich über englische Wörter in Zeitungsartikeln, etwa den Begriff „Indoor“ im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Kartbahn in Bitburg. Zumindest sollten Fremdwörter übersetzt und erklärt werden!
Lieber Herr K.,
die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden. Das hat der chinesische Meisterdenker Konfuzius vor rund zweieinhalb Jahrtausenden gesagt. Weise Worte, zeitlos gültig. Und für Journalisten im Zeitalter der Massenmedien ja wohl eine Selbstverständlichkeit. Von wegen!
„Mein Leben ist eine Giving-Story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das Future-Denken haben muss. … Die Audience hat das von Anfang an supportet …“ Derlei gibt die Modeschöpferin Jil Sander von sich, und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ druckt es. Ein besonders krasses Beispiel dafür, wie schlampig die deutsche Sprache gesprochen und geschrieben wird. In der Werbung, in der Wirtschaft, im Sport, in der Politik, in Behörden, und natürlich in den Medien, und zwar in allen!
Das ist nicht neu und erhitzte schon vor mehr als hundert Jahren die Gemüter, wie etwa die Kampfschrift „Wider die Engländerei in der deutschen Sprache“ (veröffentlicht 1899) belegt. Heute wird das Sprachgulasch meist „Denglisch“ genannt, manchmal auch „Engleutsch“ oder „Germeng“.
Professor Walter Krämer, der aus Ormont in der Eifel stammende Gründer des Vereins Deutsche Sprache und Wissenschafts-Autor („Lexikon der populären Irrtümer“), wettert seit langem gegen die Ausbreitung der Anglizismen: „Der moderne Modell-Germane joggt, jumpt, trekkt, walkt, skatet oder biket, hat fun und feelings, moods und moments, sorrows und emotions – und scheint vor nichts auf Erden solche Angst zu haben, wie seine eigene Sprache zu benutzen.“
Die Redaktion dieser Zeitung bemüht sich, englische Begriffe zu vermeiden. Der natürliche Sprachwandel lässt sich freilich nicht aufhalten. Warum auch!? Eine Sprache ist nur lebendig, so lange sie sich verändert. Im Mittelalter war Latein in deutschen Landen das „non plus ultra“, im 17. und 18. Jahrhundert galt Französisch als „chic“, heute hat Englisch den größten Einfluss.
„Service“, „Job“ oder „Make-up“ waren einst Fremdwörter; sie gehören längst zur Umgangssprache. Für viele Dinge, die es vor zehn oder zwanzig Jahren noch gar nicht gab, mussten neue Wörter gefunden werden – das sind, im Zeichen von Globalisierung und Internet, oft englische Ausdrücke. Experten haben bis zu 7000 solcher „entlehnten“ Wörter gezählt.
Es wäre töricht, sagen Germanisten wie Dieter Herberg, eine Deutsch-Quote zu fordern und Anglizismen wie „E-Mail“ oder „Internet“ in den Medien zu verbieten. Allerdings dürfe man nicht über die Köpfe derer hinwegreden, an die man sich wendet. Die Aufgabe von Journalisten ist es, zu erklären, zu „übersetzen“. Zum Beispiel „Indoor“ durch „Halle“, „Highlight“ durch „Höhepunkt“ oder „Event“ durch „Ereignis“. Problematisch wird der Versuch der Eindeutschung, wenn es sich um feststehende Begriffe handelt. Etwa im Sport: Wer die „Champions League“ in eine „Liga der Meister“ verwandelt, setzt sich dem Verdacht aus, ein Hinterwäldler zu sein. Daher gilt: So wenig Fremdwörter wie möglich, aber bitte keine Deutschtümelei! Und: verständlich schreiben, ganz im Sinne von Konfuzius…
Ein schönes Wochenende!
Peter Reinhart

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