Wie es euch gefällt

Paul Dahm aus Wolsfeld schreibt: Nachträglich, aber nicht weniger herzlich möchte ich zum neuen Erscheinungsbild des Trierischen Volksfreunds gratulieren, es gefällt mir sehr gut.

Ebenfalls herzlichen Glückwunsch zu der Sonderausgabe „Amicus Treverensis“. Als besonders wohltuend habe ich es empfunden, dass es im Jahr 317 bereits ein Korrekturprogramm gab, ich konnte auf Anhieb keinen Rechtschreibfehler feststellen.

Im Gegensatz dazu wimmelt es im TV manchmal nur so von Rechtschreibfehlern. Es war mir bisher zu aufwendig, ähnlich wie in der Schule die Fehler rot anzustreichen und zu bewerten, es käme ein „ungenügend“ heraus. In der heutigen Zeit mit den technischen Möglichkeiten müsste es doch ein Leichtes sein, eine Ausgabe ohne Rechtschreibfehler herauszubringen. Ansonsten bin ich mit dem TV sehr zufrieden.

Lieber Herr Dahm,

vielen Dank für Lob und Kritik. Sie sprechen eine „unendliche Geschichte“ an: die Rechtschreibung. Es gibt Fehler im TV, wie in jeder anderen Zeitung auch – trotz des Vier-Augen-Prinzips beim Gegenlesen, trotz des Korrekturprogramms, trotz größter Sorgfalt. Niemand ist vollkommen. Dass der TV „von Fehlern wimmelt“, bestreite ich. Dennoch: Wir Redakteure ärgern uns über orthographische „Bolzen“ genauso wie Sie als Leser.
Noch mehr ärgern wir uns über die staatlich verordnete Verunsicherung. Die Reform der Reform der Rechtschreibung wird am 1. August endgültig verbindlich – und es wird künftig noch schwieriger, zu entscheiden, wer denn nun Recht hat, pardon, neuerdings wieder: recht hat, wenn es ums korrekte Schreiben geht.

„Daß die so entstandene deutsche Rechtschreibung weit davon entfernt ist, ein Meisterwerk zu sein, das weiß niemand besser, als wer daran mitzuarbeiten berufen war“, sagte Konrad Duden vor hundert Jahren. Der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler urteilte nach der jüngsten Reform-Attacke, die Rechtschreibung sei endgültig unbeherrschbar geworden. Will sagen: (Fast) niemand kennt sich mehr aus. Nicht Lehrer, nicht Schüler, nicht Journalisten; selbst Korrekturprogramme sind fehlerhaft.

Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung, Worttrennung – an vielem hat der Rat für Rechtschreibung herumgedoktert, dabei einige Schwächen der Reform von 1998 ausgebessert, aber auch einiges verschlimmbessert. So ist es bei etwa 3000 Wörtern freigestellt, sich für die eine oder andere Schreibweise zu entscheiden. Erlaubt ist, was gefällt. Das grenzt mitunter an Hirnverzwirnung!

Um das drohende Durcheinander einigermaßen zu begrenzen, haben die Nachrichtenagenturen – und die meisten deutschen Zeitungen, darunter der TV – bei den sogenannten Variantenwörtern einheitliche Schreibweisen festgelegt, die von August an eingesetzt werden. Für Redakteure bedeutet das: umlernen und die in den 90er-Jahren (neu: 90er Jahren) mühsam gepaukte Vorgehensweise vergessen. Sehr aufwendig, wenn Nebenvarianten plötzlich zu Hauptvarianten werden und die zuletzt gültige Schreibweise aufwändig wieder verschwindet. Geradezu besorgniserregend, zum Glück aber nicht mehr Besorgnis erregend.

Die Änderungen muss der Sprachnutzer erst einmal kennenlernen; vorher hieß es ja, kennen lernen sei richtig. Immerhin: Der Delfin schwimmt weiter reformiert, sein „ph“-Bruder, der Delphin, ist aus dem Spiel. Auch die Biografie hat ihren „ph„-Wert verloren, nicht dagegen die Photosynthese. Zufrieden ist die Große Koalition. Sie schreibt sich jetzt so, wie sie es verdient: mit großem „G“.

Das waren nur einige Beispiele. Eine Dokumentation der wichtigsten Neuerungen finden Sie auf der Internet-Seite www.die-nachrichtenagenturen.de, unter anderem eine Liste mit 1500 Variantenwörtern – ein mehr als 40 Din-A4-Seiten umfassendes Konvolut. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

Herzliche Grüße!
Peter Reinhart

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