Denglisch, Engleutsch, Germeng

Herbert Gores aus Igel schreibt: Der Widerstand gegen die Anglizismen wächst. Zum Glück hält sich der TV mit diesen Wörtern im Lokalteil erstaunlich zurück. Aber welcher Leser über 60 versteht schon das Wort „backstage“? Dass es auch anders geht, sieht man prompt in der gleichen Ausgabe vom 5. April: „ein Blick hinter die Kulissen „. P.S.: Das verbesserte Layout gefällt mir gut!

Sehr geehrter Herr Gores,
vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie nie zuvor, heißt es allenthalben. „Rettet dem Deutsch“, fordert ironisch der Sprachpfleger Bastian Sick. „Noch sprechen 100 Millionen Menschen auf der Erde deutsch. Aber viele nur recht widerwillig“, meint Professor Walter Krämer, Gründer des Vereins Deutsche Sprache. „Der moderne Modell-Germane joggt, jumpt, trekkt, walkt, skatet oder biket, hat fun und feelings, moods und moments, sorrows und emotions – und scheint vor nichts auf Erden solche Angst zu haben, wie seine eigene Sprache zu benutzen.“
Besonders auffällig ist die Mode, fast alles angelsächsisch „aufzupeppen“. In der Werbung, in der Wirtschaft, im Sport, in der Politik, in Behörden, in den Medien. Das ist nicht neu und erhitzte schon vor mehr als hundert Jahren die Gemüter, wie etwa die 1899 veröffentlichte Kampfschrift „Wider die Engländerei in der deutschen Sprache“ belegt. Heute wird das Sprachgulasch meist „Denglisch“ genannt, manchmal auch „Engleutsch“ oder „Germeng“.
Die TV-Redaktion bemüht sich, englische Begriffe zu vermeiden. Der natürliche Sprachwandel lässt sich allerdings nicht aufhalten. Im Mittelalter war Latein das „non plus ultra“, im 17. und 18. Jahrhundert galt Französisch in deutschen Landen als „chic“, heute hat Englisch den größten Einfluss. „Service“, „Job“ oder „Make-up“ waren einst Fremdwörter; sie gehören längst zur Umgangssprache. Für viele Dinge, die es vor zehn oder zwanzig Jahren noch gar nicht gab, mussten neue Wörter gefunden werden – das sind, im Zeichen von Globalisierung und Internet, oft englische Ausdrücke. Experten haben bis zu 7000 solcher „entlehnten“ Wörter gezählt.
Es wäre töricht, sagt der Germanist Dieter Herberg, die Vermeidung von Anglizismen wie „E-Mail“ oder „Internet“ in den Medien zu fordern. Allerdings dürfe man nicht über die Köpfe derer hinwegreden, an die man sich wendet. Aufgabe der Journalisten ist es, zu „übersetzen“. Zum Beispiel, wenn die Bundesanstalt für Arbeit Sätze wie den folgenden fabriziert: „Ein Arbeitsloser kommt ins Job-Center, trifft am Front Desk auf den Case-Manager, der auf Grundlage eines Tiefenprofilings mit Unterstützung des Back Office ein Vermittlungsangebot an die PSA macht.“ Derlei Pidgin-Deutsch findet sich zuhauf. Doch es gibt Tröstliches zu berichten: Wer als Deutscher in die USA kommt, wundert sich, dass er Wörtern wie „Strudel“, „Schadenfreude“ oder „Gesundheit!“ begegnet. Viele Amerikaner finden deutsche Lehnwörter „wunderbar“, vor allem „Bildungsbürger“ – ein Import aus „Good Old Germany“.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Peter Reinhart

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