Gefühle

Nachklapp zur Diskussion um das postfaktische Zeitalter (siehe Kolumne vom 10./11. Dezember): Wozu überhaupt solche Kategorien? Solche Schubladen? Solche Etiketten für alles und jedes?

Es ist der Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen. Es ist der tief in uns Erdlingen verwurzelte Antrieb, das Leben unter Kontrolle zu bekommen. Es ist der Wunsch, das dunkle, geheimnisvolle Universum zu erklären. Ein bisschen wenigstens.

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Der Weihnachtsohrwurm

Na, wo ist er Ihnen begegnet? Dieser Dings, der Santa, also, der, nun ja, der Weihnachtsohrwurm. Was denn, Sie haben sein Singen, Jauchzen und Frohlocken nicht gehört? Unmöglich!

Süßer die Glocken o du fröhliche ihr Kinderlein kommet Jingle Bells alle Jahre wieder lasst uns froh und munter sein o Tannenbaum stille Nacht heilige Nacht we wish you a merry Christmas leise rieselt der Schnee last Christmas kling Glöckchen klingelingeling.

Der Weihnachtsohrwurm kriecht aus dem Radio. Er schmachtet im Kaufhaus. Er schwebt über dem Weihnachtsmarkt, neben der Bratwurstglühweindunstwolke, und säuselt: Süßer die Glocken …

Die einen lieben den Weihnachtsohrwurm, die anderen wünschen ihn nach Jottwehdeh.

Er hat’s nicht leicht, der Weihnachtsohrwurm. Vielleicht würde er lieber in einer anderen Liga spielen. Und Shakespeare zitieren, zum Beispiel. Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.

Hey,  Weihnachtsohrwurm, ist das nicht zu pathetisch? Sein oder Nichtsein? Geht’s noch?

An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu. Sehr weise, Weihnachtsohrwurm. Hamlet. Aber muss das jetzt wirklich sein?

Ja, muss, sagt der Weihnachtsohrwurm. Die einen lieben mich, die anderen wünschen mich nach Jottwehdeh. Es ist immer dasselbe. Dafür, dagegen. Wäre viel schlauer, wenn die Menschen mal darüber nachdenken würden, was dazwischen ist. Das verpassen nämlich viele. Stimmt, Weihnachtsohrwurm.

Schwarz und Weiß. Arm und Reich. Groß und Klein. Dick und Doof, ähh, Dünn. Heiß und Kalt. Süß und Sauer. Richtig und Falsch. Schön und Hässlich. Oben und Unten. Hoch und Tief. Lustig und Traurig. Positiv und Negativ. Lechts und Rinks. Yin und Yang. Adam und Eva. Beatles und Stones. Ronaldo und Messi. Materie und Geist. Leben und Tod. Diesseits und Jenseits. Himmel und Hölle. Gut und Böse. Sein und Nichtsein.

Gegensätze. Die Welt ist voller Gegensätze. Dabei kann das eine nicht ohne das andere. Ohne Schwarz kein Weiß. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, die Grautöne zu entdecken, ein bisschen toleranter, gelassener, souveräner zu sein – und sich nicht blindlings auf die eine oder andere Seite zu schlagen.

Danke, Weihnachtsohrwurm.

Ihnen eine schöne, entspannte, besinnliche Zeit! Nach den Weihnachtstagen sehen, hören, schreiben, lesen wir uns wieder.

Peter Reinhart

Alle Jahre wieder

Ulrike Haab aus Rittersdorf schreibt: Seit vielen Jahren bin ich Abonnentin des TV und muss leider sagen, dass ich mich am 24. Dezember über die ganzseitige Ansprache des Bischofs Ackermann geärgert habe. Denn im Rahmen der Religionsfreiheit in Deutschland und auch in der Eifel und im Hunsrück, ja sogar in Trier – ich bin übrigens nichts – hätte ich es sehr begrüßt, wenn auch Vertreter anderer Religionen in der Zeitung zu Wort gekommen wären und man nicht nur der katholischen Kirche so viel Raum gegeben hätte.
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Putzige Pinguine, falsche Fährten

Werner Garthe aus Schönecken schreibt zur Seite „Wir für Sie“ vom vergangenen Samstag: Haben wir schon wieder den 1. April? Oder wieso binden Sie uns Lesern den Bären auf, am Nordpol gäbe es Pinguine? Die gibt es dort so wenig wie Eisbären in der Antarktis!

Lieber Herr Garthe,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben ein eindrucksvolles Beispiel dafür entdeckt, was passiert, wenn Text und Bild nicht zusammenpassen.

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