Die Sache mit der Maus

Mal unter uns, liebe Leserin, lieber Leser: Sie erwarten, dass wir wahrhaftig berichten; Sie erwarten, dass wir aufrichtig berichten; Sie erwarten, dass wir ehrlich berichten. Ich sage: Jawoll, das versuchen wir, das tun wir nach bestem Wissen und Gewissen. Klar: Irren ist menschlich, Fehler passieren, aber alles in allem attestiere ich der Redaktion des Volksfreunds: das passt, das läuft.

Gestatten Sie, dass ich heute einen klitzekleinen Wunsch an Sie richte, Leserbriefe betreffend. Bitte schreiben und bleiben Sie so wahrhaftig, aufrichtig und ehrlich, wie Sie das von uns Journalisten – zu Recht – einfordern.

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Eigentlich

Eigentlich fange ich Texte nicht mit eigentlich an. Eigentlich ist ein Füllwort. Überflüssig.

Eigentlich will ich etwas anderes schreiben. Ich komme nur nicht dazu, nicht einmal uneigentlich. Weil ich auf etwas eingehen muss (aus gegebenem Anlass), das eigentlich oft genug besprochen worden ist. Also:

Verehrte Parteifunktionäre,

in Rheinland-Pfalz ist Wahlkampf, und ich weiß, wie groß die Verlockung ist, die Meinungsspalten der Zeitung als Vehikel für politische Kampagnen und Schleichwerbung in eigener Sache zu nutzen. Wenn Sie, sagen wir mal, Kreisvorsitzender oder Schriftführer der Alternative für Deutschland sind, erwarten Sie bitte nicht, dass wir Zuschriften abdrucken, in denen Sie in leuchtenden Farben ausmalen, wie großartig die AfD ist. Es gilt, für Amts- und Mandatsträger aller Parteien:

Keine! Propaganda! In! Leserbriefen!

Diese Ansage ist alternativlos, und eigentlich ist ihr nichts hinzuzufügen. Ich könnte mich jetzt dem Eigentlichen widmen. Zum Beispiel Heidegger und seinen Kategorien von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit.  Oder Adorno, dem Erfinder des Jargons der Eigentlichkeit. Aber die Kolumne, die eigentlich zwei Spalten hat [Anmerkung: in der gedruckten Ur-Form], ist diesmal kürzer. Und eigentlich schon: zu Ende.

Schöne Grüße, eigentlich

Peter Reinhart

Es geht wieder los …

Der Pressesprecher einer Partei erkundigt sich, warum der Fall X so und nicht anders in der Zeitung behandelt worden ist.

Der Spitzenfunktionär einer Gewerkschaft holzt in einem Interview gegen die Landesregierung – weil er seine Klientel vertritt, oder weil er für seine Partei, die in der Opposition ist, die Werbetrommel rühren will?

Eine Politikerin legt der Redaktion nahe, demnächst doch bitte schön ausführlich über die von ihr geplanten Podiumsdiskussionen („garantiert keine Parteiveranstaltungen, gaaanz wichtige Sachthemen“) zu berichten. Weiterlesen

Troll dich, Ohrwurm

… Liebe Kinder, liebe Hannoveraner / liebe Imker, liebe Opelaner / liebe Landfrauen, liebe Sudeten / lieber Günter Grass, liebe Analphabeten / lieber Herr Otto, liebe Frau Schmidt / ich will die Menschen mitnehmen / ich nehm euch alle mit …

Halt! Stopp! Kennen Sie das Ohrwurm-Phänomen? Wenn Sie eine Melodie nicht mehr aus dem Kopf bekommen? Wenn lyrische Wortfetzen Sie verfolgen bis in Ihre Träume? So geht es mir mit einem Lied des Kabarettisten Rainald Grebe: Der Kandidat. Eine Weiterlesen

+++Breaking News+++

Ferien vorbei, Themen satt, Fragen über Fragen. Was beim Schreiben einer Kolumne so alles dazwischenkommen kann – Protokoll eines Versuchs:

Herr L. aus Trier beklagt die Häufung schwachsinniger Überschriften in der Zeitung.

Lieber Herr L.,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Ein gutes Thema. Sie haben ja recht, nicht jede Zeile glückt. Eine Geschichte in wenigen Worten zu erzählen (nichts anderes versucht eine Überschrift), die Leser einzufangen, sie neugierig zu machen – das ist eine Kunst für sich. Da lässt …

+++Breaking News+++

Frau und Herr B. aus der hohen Eifel melden sich; sie sind genervt vom Blödmann Bushido.

Liebe Familie B.,

mir geht die PR-Masche des Typen auch auf die Nerven. Eine dödeldämliche Provokation, die Medien springen drauf, tout le monde echauffiert sich, und der Rüpel lacht sich schlapp, weil es ihm wieder einmal gelingt, sich als böser Bube zu vermarkten. Durchschaut. Geschenkt. Warum also trotzdem in der Zeitung?

Weil Klatsch und Tratsch von den Lesern aufgesaugt werden, das Treiben der Reichen und Mächtigen, die Verirrungen der Verrückten und Verruchten. Nichts interessiert den Menschen so sehr wie der Mensch. Der Schriftsteller Truman Capote, ein Meister der Gesellschaftsreportage, sagte: „Was auf Gottes weiter Erde ist Anna Karenina oder Krieg und Frieden oder Madame Bovary, wenn nicht Klatsch?“ Und deshalb …

+++Breaking News+++

Herr F. erklärt (sinngemäß): Drucken Sie schleunigst meinen Leserbrief ab, in dem ich beweise, dass der CDU-Verteidigungsminister ein Ehrenmann ist und einer seiner SPD-Vorgänger ein Lügner und Heuchler!

Lieber Herr F.,

unsere Berliner Korrespondenten berichten laufend über den Untersuchungsausschuss zur Euro-Hawk-Affäre. Quintessenz ihrer Analysen: Das halbherzige Bemühen der Verantwortlichen um Aufklärung des Milliarden-Desasters wird vom Wahlkampf-Getöse überlagert. Schuld und Sühne? Längst nicht geklärt. Wir bemühen uns, die Wahrheit herauszufinden.

Mag sein, dass Ihre Vermutungen zum Hergang des Falls zutreffen. Einiges bleibt jedoch, vorläufig, unklar. Ich bitte um Verständnis, dass wir in Wahlkampf-Zeiten keine Zuschriften veröffentlichen, die nur notdürftig getarnt als Werbung für Parteien zu interpretieren sind. Warum? Weil wir Manipulationen und Kampagnen vermeiden wollen. Weil es zu jeder Meinung eine Gegenmeinung gibt. Weil Leserbrief-Duelle zwischen schwarzen Rittern und roten Rittern sich rasch zu Scharmützeln auswachsen, die …

+++Breaking News+++

Ihm sei etwas zu Ohren gekommen, sagt Herr B., das ihm die Sprache verschlagen habe: Leserbriefe, die von den Trierer Stadtwerken handeln, werden dem Unternehmen vor dem Druck vorgelegt. Wenn das so sein sollte, dann gute Nacht, Deutschland!

Lieber Herr B.,

ein ungeheuerlicher Verdacht, wer verbreitet denn solchen Mumpitz? Ich versichere: Da ist nichts dran, die Meinung ist frei, eine Zensur findet nicht statt.

+++Breaking News+++

Johannes Mans aus Bettingen schreibt: Mit tiefer Betroffenheit und einem gehörigen Maß an Verärgerung habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass bei der intensiv beworbenen Podiumsdiskussion der Kandidaten zum Deutschen Bundestag im Wahlkreis 203 nur die eingeladen werden sollen, die bereits mit ihren Parteien im Bundestag vertreten sind. Ein derartiges Vorgehen halte ich für inakzeptabel, zumal Sie damit auch Ihre potenziellen Leser in unangemessener Weise unvollständig informieren. […] Ich halte es für eine Respektlosigkeit Ihrerseits, hier derart regulierend einzuwirken und damit einigen Parteien die Möglichkeit zu nehmen, gleichberechtigt ihre Positionen darlegen zu können. […]

Lieber Herr Mans,

vier Wochen vor der Wahl vibrieren die Nerven. Verstehe ich. Kann es sein, dass ein Missverständnis vorliegt? Der Volksfreund veranstaltet keine Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten, weder im Wahlkreis 203 noch in einem anderen.

Richtig ist, dass wir ein dickes Informationspaket geschnürt haben und nach und nach auspacken; wir stellen Programme und Personal der großen und kleinen Parteien vor – inklusive der Freien Wähler, und …

+++Breaking News+++

Mehr Zeilen ham wa nich für diesmal. Komische Kolumne. Demnächst mehr in diesem Theater.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Fremde Federn

Ursula W. aus Trier schreibt: […] Sicher wird Ihnen mein Leserbrief in der Anlage anbei nicht behagen. Dennoch möchte ich Sie hiermit bitten, ihn im TV abzudrucken. […]
Der Online-Leser TRToni merkt an: […] Bin gespannt, wie lange diese Kommentare noch hier stehen, der TV sieht solche kritischen Kommentare, wenn es um eine bestimmte Partei geht [gemeint ist die SPD], nicht gerne. […]
Erwin L. aus Kanzem listet sämtliche Versäumnisse von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) auf und lobt die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner […].

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