Schön geschachtelt

Leser Franz K. ärgert sich über Grammatikfehler: Ein Satz besteht doch aus Subjekt, Prädikat und Objekt, oder?! Das habe ich jedenfalls in der Schule gelernt. Warum lese ich in der Zeitung ständig verstümmelte Sätze? Finden Sie das etwa gut?

Lieber Herr K.,

es gibt keine Sprachpolizei, die über den korrekten Satzbau wacht. Wäre auch sinnlos, denn: Jeder kann schreiben oder sprechen, wie er will. Lange Sätze, kurze Sätze, vollständige Sätze, unvollständige Sätze – erlaubt ist, was gefällt. Und entscheidend ist, was ankommt.

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Komm, hol das Lasso raus!

Tim Bartz schreibt: Muss ich mich als jahrelanger Leser des TV wirklich mit Überschriften des Kalibers „Auf Du und Du mit Kälbchen und Kuh“ oder „Wo Fischers Fritzen frische Fische fischen“ abgeben? Glauben Sie, dass solche Artikel von Lesern ernst genommen werden? Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie zukünftig Ihre Überschriften etwas sorgfältiger und vor allem informativer gestalten.

Lieber Herr Bartz,

vielen Dank für Ihre Mail. Uiuiui, da hat jemand versucht, witzig zu sein. Zwei Überschriften aus dem Lokalteil. Pfiffige Wortspiele? Ich meine: albern. Kommt schon mal vor, ist aber nicht Standard. Und Weiterlesen

Bäh-Wörter und gestopfte Würste

„Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.“ Ein legendärer Ratschlag von Kurt Tucholsky, veröffentlicht 1929 in der Zeitschrift Weltbühne. Der Schriftsteller und Journalist wendet sich an alle, die schreiben oder als Redner auftreten: „Wer schludert, der sei verlacht, für und für. Wer aus Zeitungswörtern und Versammlungssätzen seines dahinlabert, der sei ausgewischt, immerdar.“

Was will uns Tucholsky sagen? Pflegt die Sprache, hütet sie, liebkost sie, streichelt sie – und malträtiert sie Weiterlesen

Vorsicht, Hoax!

Josef Wagner aus Perl schreibt zur Finanzkrise: Wie sich die Zeiten doch wiederholen. Aus den Fehlern der vergangenen Generationen haben die nachfolgenden nichts gelernt. Durch Raffgier einzelner Zeitgenossen in allen Nationen, auf Kosten der Allgemeinheit, kommt es zu Krisen, die sich in der Geschichte wiederholen. Zur Weltwirtschaftskrise vor knapp achtzig Jahren schrieb damals der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky einen Text, den er 1930 in der „Weltbühne“ veröffentlichte. Ein wenig Lyrik kann nie schaden:

Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los, den sie brauchen – echt famos!
(es folgen weitere acht Vierzeiler)

Lieber Herr Wagner,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Das Gedicht ist hübsch, aber es ist nicht von Kurt Tucholsky. Seit einigen Monaten kursieren die Verse im Internet – eine Fälschung, ein sogenannter Hoax (englisch für: Jux, Scherz, Schabernack, auch: Schwindel).

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