Per ordre de Mutti

Neulich, im „Sprachlabor“ der Süddeutschen Zeitung: Die Nerven der Leser sind uns nicht heilig, aber so kostbar, dass wir nicht unnötig darauf herumtrampeln wollen. Bei Herrn N. ist es trotzdem passiert, leider sogar mehrmals, und zwar durch den Gebrauch von ansonsten im Sinne von andernfalls  …

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Kein Stress, Alter

Wütende Zuschrift eines unbekannten Lesers im Original: Was schreibt ihr Anal-fabeten für einen Mist. Immer mehr englische Wörter, die keinen versteht. Lernt entlich Deutsch!

Verehrter Anonymus,

danke für den Tipp, wir bemühen uns. Welches Deutsch meinen Sie denn?

Kulturzirkus-Deutsch*, also jenen elaborierten Code, der, was für ein Impetus, gespickt ist mit plakativen Wahrnehmungsmustern und hermeneutischen Hypertrophien, Weiterlesen

Rettet den Dreikäsehoch!

Ein Klassiker aus der Leserpost: Immer mehr Fremdwörter in der Zeitung, was soll das? Und all diese Anglizismen!

Liebe Leser,

es stimmt, die Zeitung ist voll von Fremdwörtern. Das ist nicht verwunderlich, besteht unsere Sprache doch zu großen Teilen aus Fremdwörtern! Wörter, die im Lauf der Jahrtausende zum Beispiel aus dem Lateinischen, Französischen oder Englischen Weiterlesen

Reich, so reich …

Der fast schon verzweifelte Hilferuf eines Lesers: Diese schrecklichen Floskeln und Phrasen nerven. Wenn ich in Volksfreund-Überschriften etwas von „grünem Licht“ lese oder dass mal wieder ein Politiker „unter Beschuss“ geraten ist, gruselt’s mich.

Lieber Sprachfreund,

geht mir genauso, ärgert mich genauso. Da buddelt ein Korrespondent im Berliner Polit-Treibhaus die neueste Neuigkeit aus – und versteckt sie hinter einem Gebüsch aus Weiterlesen

Schleiertänze

Zu wenig Geld, zu wenig Punkte – den Basketballern der TBB Trier droht nach der Insolvenz der Abstieg aus der Bundesliga. Ein Sportsfreund will wissen: Warum heißt die zweite Liga nicht zweite Liga, sondern ProA?

Lieber Sportsfreund,

interessante Frage. Der Mensch neigt dazu, sich die Welt schönzureden, jeder will der Größte, Beste, Tollste sein.

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Ho’oponopono und andere Rituale

Ein Leser aus der Südeifel schreibt anonym: Immer wieder wundere ich mich, wenn ich in der Zeitung die Formulierung „Wir entschuldigen uns“ lese. Wenn ihr euch schon entschuldigt habt, warum dann noch die Erklärung? Ihr meint gewiss: Wir bitten die Leser um Entschuldigung! Bei so viel liebenswerter Erklärung bin ich gerne bereit, die Redaktion von Schuld freizusprechen.

Mit fröhlichem Grinsen:

Ein dankbarer Abonnent

Lieber unbekannter Leser aus der Südeifel,

vielen Dank für Ihre Zeilen. Sie haben ein hübsches Beispiel für den Sprachwandel entdeckt. Es ist ein bisschen vertrackt, vielleicht kommt es Ihnen haarspalterisch vor, doch wir probieren es mal.

Wer einen Fehler gemacht hat, wer sich falsch verhalten hat, wer in einer bestimmten Weiterlesen

Isothermen und Isotheren

Fred Casagranda aus Konz schreibt zur Schlagzeile „Frost, aber kein Schnee: Nächste Woche ‚Winter light’ in der Region“ (TV vom 28. November): Bitte überlassen Sie den Großkaufhäusern ihren „Sale“. Ihre Redakteure sind sicher imstande, das, was gemeint ist, auf Deutsch zu sagen. Nebenbei: Ich bin Lëtzebuerger.

Karl Mrakawa aus Kyllburg meint zur selben Überschrift: In aller Früh erreichten mich zwei Anrufe mit dem Unmut, sieh dir mal die Titelseite des Volksfreunds an. Haben wir es nötig, uns von den Zeitungsschreibern veramerikanisieren zu lassen? Kann man das nicht auf Deutsch formulieren? Die Presse soll eine Schule für die Menschen sein! Es ist wirklich eine Zumutung.

Lieber Herr Casagranda,

lieber Herr Mrakawa,

ja, es stimmt: Das denglische Gedöns in der Titelzeile wäre vermeidbar gewesen.

„Winter light“: So hat der Meteorologe Dominik Jung, der im Artikel (und in der Überschrift) zitiert worden ist, seine Wetterprognose für die nächste Zeit zusammengefasst. Soll wohl heißen: Der Winter ist kein richtiger Winter, sondern einer, dem etwas fehlt. Frost, Schnee, Eis.

Das englische Modewort „light“ (leicht) wird gemeinhin von Werbern verwendet, um Produkte als besonders „hip“ anzupreisen oder etwas Unangenehmes zu verschleiern, Weiterlesen

Falsche Freunde

Frau L. aus der Eifel (will nicht namentlich genannt werden) schreibt öfters über dies und das, sie wünscht keine Veröffentlichung in der Zeitung. Es sei jedoch gestattet, eine ihrer Beobachtungen aufzugreifen:

Wenn ich Politiker in Talkshows Sätze sagen höre wie „Da bin ich ganz bei Ihnen“, graut es mir. Wer hat eigentlich diese dämliche Sprachwendung zum ersten Mal benutzt?

Liebe Frau L.,

vielen Dank für diese Vorlage. Das Phrasenschwein grunzt verzückt. Oink, oink!

Also, wo kommt das her? Dieser Schwulst: Da bin ich ganz bei Ihnen. Oder: Das macht doch, am Ende des Tages, nicht wirklich Sinn.

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Verbeutelt, nicht versackt

 

Heinz Erschens aus Kell am See schreibt: Dass Gärten hängen und Kühe fliegen können – Behauptungen, die sich ohne weiteres nicht beweisen lassen.

Dass die deutsche Sprache durch Denglisch ersetzt wird, kann jeder beweisen, der Zeitung liest, Fernsehen schaut, vor Schaufenstern steht oder durch Straßen schlendert und dabei versucht, Plakattexte am Wegrand zu lesen.

Die englisch-amerikanische Sprachform mit teutonischen Einsprengseln erscheint bei Sport, Musik und bei Freizeitgestaltungen. Überall dort, wo Menschen ohne Fantasie in die Anonymität unbewusster Fernsteuerung durch Kommerz und Gruppenzwang geleitet werden. Weiterlesen

Diagnose: Fehleritis

Alfred Schilz aus Trier schreibt: In der Ausgabe vom 4. September lese ich auf Seite 27, dass in der Stadt Kevelaer am Niederrhein bei einem Autounfall vier Frauen ums Leben kamen, in der Überschrift aber „nur“ auf zwei Frauen als Opfer hingewiesen wurde. Wie kommt’s?

Wenn ich den Text richtig lese, sind „zwei 40 und 68 Jahre alte Frauen aus den Niederlanden“ gestorben. Also vier Frauen. Sollten es aber „nur“ zwei gewesen sein, was bedauerlich genug wäre, sollte man richtigerweise „eine 40-jährige und eine 68-jährige“ schreiben.

Es erstaunt immer wieder und macht immer wieder Ärger, wenn ein Blatt wie der TV, entweder ungeprüft von anderen Blättern übernommen oder von eigenen Berichterstattern verfasst, seinen Lesern solche Unstimmigkeiten vorsetzt. Weiterlesen