Absurd

„Einen Neger wird man ja wohl noch einen Neger nennen dürfen“, erregt sich Herr B. über das „Gesocks“ aus dem Ausland, das von „der Merkel“ ins Land geholt worden ist, „alles Kriminelle und Vergewaltiger und Schmarotzer“.

Und so weiter. Ein langer handschriftlicher Brief. Die politische Korrektheit, von der die Gutmenschen ständig schwafelten, gehe ihm gehörig auf die Nerven. Aber was die „da oben“ machten, sei sowieso egal. „Danach kräht bald kein Arsch mehr.“

O weh, Herr B.,

schlimmes Pamphlet, es ist zum Würgen, und zu Ihrer Rassentheorie äußere ich mich nicht. Zwei Gründe, warum ich Ihren Schrieb dennoch aufgreife. Der eine: den Lesern (mal wieder) exemplarisch zu zeigen, wie rau, aggressiv und gehässig der Ton ist, den manche anschlagen. Der andere: die Katachrese. Die Kata… was?!

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Zack, zack!

Lesedauer dieser Kolumne: zwei Minuten. So viel Zeit?! Och, bitte, bitte, schenken Sie mir die zwei Minuten. Ich weiß, dass Sie keine Zeit haben. Ich ja auch nicht. Keiner hat mehr Zeit. Deshalb müssen wir uns sputen.

Also: Wir leben immer schneller. Die allgemeine Beschleunigung schlägt sich auch in der Sprache nieder. Weniger Zeit, kürzere Wörter, kürzere Sätze – zack, zack!

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Yalla! Yalla!

Die babylonische Sprachverwirrung im Medienzeitalter nervt manche Leser – zwei Beispiele:

Frau B. aus Morbach meint: Schreiben Sie doch nur noch auf Englisch, wir alten Leute begreifen sowieso nicht mehr, was in der Zeitung steht!

Herr H. aus Bitburg schlägt vor: Wenn ich den Volksfreund lese, muss ich viele Wörter erst mal googeln. Wie wär’s in Zukunft mit Arabisch, die Sprache ist ja stark im Kommen, dann können Sie Englisch langsam vergessen!

Liebe Frau B.,

lieber Herr H.,

Sie weisen auf ein zentrales Thema der Kommunikation hin: Verständlichkeit.

Wer will, dass seine Texte gelesen werden, muss dafür sorgen, dass die Leser das Geschriebene verstehen.

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Der Tarzan-Jane-Faktor

Ich Tarzan. Du Jane.  Schön romantisch, diese Anmache, jedenfalls in den schnulzigen Verfilmungen des Dschungel-Klassikers von Edgar Rice Burroughs. Ein paar Wörter bloß. Dazu ein bisschen techteln und mechteln, also das, was die Wissenschaft „nonverbale Kommunikation“ nennt. Und einige gezielt eingesetzte Urlaute. Uuuaaahhhh, uuuaaahhh. Fertig.

Ich Tarzan. Du Jane. Ich dich lieben. Mehr braucht es nicht. Kurz. Klar. Knackig. Sie hat ihn verstanden, er hat sie verstanden, sie haben sich gekriegt. Der Tarzan-Jane-Faktor. Satzbau nicht korrekt? Egal.

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Unbemerkt verschluckt

Warum? Darum. Ich veröffentliche keine Briefe, die mit „Volksverräter“ anfangen und mit „Heil …!“ enden. Von dem rassentheoretischen Gefasel dazwischen ganz zu schweigen. Einzelfall? Nö, täglich grüßt das Murmeltier und sondert – Tschuldigung – stinkenden Braunkack ab. Also: Ist nicht. Warum? Darum.

Sprache ist Macht. Sprache bestimmt das Bewusstsein. Sprache beeinflusst das Denken. Aus dem  Bewusstsein, aus dem Denken, entstehen Taten.

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Per ordre de Mutti

Neulich, im „Sprachlabor“ der Süddeutschen Zeitung: Die Nerven der Leser sind uns nicht heilig, aber so kostbar, dass wir nicht unnötig darauf herumtrampeln wollen. Bei Herrn N. ist es trotzdem passiert, leider sogar mehrmals, und zwar durch den Gebrauch von ansonsten im Sinne von andernfalls  …

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Kein Stress, Alter

Wütende Zuschrift eines unbekannten Lesers im Original: Was schreibt ihr Anal-fabeten für einen Mist. Immer mehr englische Wörter, die keinen versteht. Lernt entlich Deutsch!

Verehrter Anonymus,

danke für den Tipp, wir bemühen uns. Welches Deutsch meinen Sie denn?

Kulturzirkus-Deutsch*, also jenen elaborierten Code, der, was für ein Impetus, gespickt ist mit plakativen Wahrnehmungsmustern und hermeneutischen Hypertrophien, Weiterlesen

Rettet den Dreikäsehoch!

Ein Klassiker aus der Leserpost: Immer mehr Fremdwörter in der Zeitung, was soll das? Und all diese Anglizismen!

Liebe Leser,

es stimmt, die Zeitung ist voll von Fremdwörtern. Das ist nicht verwunderlich, besteht unsere Sprache doch zu großen Teilen aus Fremdwörtern! Wörter, die im Lauf der Jahrtausende zum Beispiel aus dem Lateinischen, Französischen oder Englischen Weiterlesen

Reich, so reich …

Der fast schon verzweifelte Hilferuf eines Lesers: Diese schrecklichen Floskeln und Phrasen nerven. Wenn ich in Volksfreund-Überschriften etwas von „grünem Licht“ lese oder dass mal wieder ein Politiker „unter Beschuss“ geraten ist, gruselt’s mich.

Lieber Sprachfreund,

geht mir genauso, ärgert mich genauso. Da buddelt ein Korrespondent im Berliner Polit-Treibhaus die neueste Neuigkeit aus – und versteckt sie hinter einem Gebüsch aus Weiterlesen

Schleiertänze

Zu wenig Geld, zu wenig Punkte – den Basketballern der TBB Trier droht nach der Insolvenz der Abstieg aus der Bundesliga. Ein Sportsfreund will wissen: Warum heißt die zweite Liga nicht zweite Liga, sondern ProA?

Lieber Sportsfreund,

interessante Frage. Der Mensch neigt dazu, sich die Welt schönzureden, jeder will der Größte, Beste, Tollste sein.

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